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Bilder aus der Weltgeschichte : ein Lehr- und Lesebuch für Gymnasien, Lehrerseminarien und andere höhere Schulen, sowie zum Selbstunterrichte / von Wilhelm Oechsli. 2. Bd. (zweiter Teil und dritter Teil / 1. Hälfte) Mittlere und neuere Geschichte
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Recht, ihn abzusetzen. So begründete Locke gegenüber der damals herr-schenden Lehre vom göttlichen Recht der Könige, die zum Despotismusführte, die freiheitliche von der Souveränetät des Volkes. Mit nichtminderem Eifer trat er für Toleranz in weitestem Sinne in dieSchranken; niemand, auch Juden und Heiden nicht, verlangte er, sollteseines Glaubens wegen verfolgt oder von dem bürgerlichen Rechte aus-geschlossen werden. Der blinde Fanatismus, mit dem jede Religions-partei die andern verfolgte und behauptete, allein die ganze Wahrheitzu besitzen, hatte notwendig zum Zweifel führen müssen, ob es denn inGlaubenssachen überhaupt eine unumstößliche Gewißheit gebe. Derunaufhörlichen kirchlichen Streitigkeiten überdrüssig, fanden zahlreicheGebildete, es sei genug, an ein höchstes Wesen als die Ursache allesBestehenden zu glauben und die Tugend zu üben; mehr brauche es zurwahren Frömmigkeit nicht. Seitdem in England Freiheit der Redeund Schrift bestand, wagten es einzelne Schriftsteller, wie Collins,Toland, Shaftesbury, Bolingbroke, dergleichen Gedanken zuveröffentlichen. Da sie das freie, von jeder Autorität unabhängige 'Denken als unveräußerliches Menschenrecht in Anspruch nahmen, hießman sie Freidenker oder, da sie an Gott, nicht aber an die einzelnenchristlichen Dogmen glaubten, Leisten. Sie lehrten, daß Tugend undSittlichkeit nicht von bestimmten Glaubenslehren abhängen; die Ver-nunft, dengesunden Menschenverstand" erklärten sie für die einzigeRichtschnur des Denkens, die Erfahrung, die Beobachtung der Na-tur im Anschluß an Locke für die wahren Quellen unseres Wissens.Was der Vernunft und Erfahrung widersprach, griffen sie bald mitden Waffen der Gelehrsamkeit, bald mit denen des Witzes und Spottesschonungslos an. Sie bekämpften daher den Wunderglauben undwollten von einem willkürlichen Eingreifen Gottes in die von ihm ge-schaffene Weltordnung mit ihren ewigen Gesetzen nichts wissen. Dabeikam ihnen zu statten, daß Jsaak Newton (16421727), Professorder Mathematik an der Universität zu Cambridge, durch eine Ent-deckung, die ihn zum größten aller Naturforscher erhob, ein wunder-bares Licht auf jene Weltordnung warf. Alle Körper ziehen einanderan, lehrte er, und zwar steht die Anziehung im gleichen Verhältnis mitder Masse der Körper und im umgekehrten mit dem Quadrate ihrer >