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Bilder aus der Welt- und Schweizergeschichte : zur Lust und Lehr der Jugend / Jakob Grunder, Hans Brugger
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99
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VI. Die Sage von der Befreiung der Waldstätte.

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„Wem gehört dies schöne Haus?" „Herr", antwortete der Gefragte,„dies Haus gehört nächst Gott dem Kaiser und ist euer und mein Lehen."Darauf erwiderte der Vogt ingrimmig: „Ich bin an Kaisers Statt Regentim Lande. Ich will nicht, daß die Bauern Häuser bauen ohne meineBewilligung!" und ritt weiter. Stauffacher aber war von dieser Stundean traurig und niedergeschlagen; denn ihm ahnte Schlimmes. Da sprachsein wackeres Weib zu ihm: „Seid ihr denn keine Männer? Habt ihrkeine Waffen? Geh nach Uri zu Walther Fürst ; denn auch dieser istein Biedermann, der über das harte Joch des Vogtes klagt. Berateteuch, wie ihr dieses Joch abschüttelt!" Werner Stauffacher folgte demweisen Rat seiner Frau. Er ging nach Uri zu Walther Fürst und trafhier auch Arnold aus dem Melchtal.

Auch Walther Fürst war voller Sorge; denn eben^ * ^und : zwang Hermann Geßler die freien Urner, ihm eineBurg zu bauen, und wer ihn fragte, wie die Burgd enn heißen solle, dem antwortete er schadenfroh: „ Zw ing Uri s vll sieheißen!" Nun besprachen die Drei die Not des Landes und kamenüberein, mit noch 30 andern wackern Männern, je 10 aus jedem Land,auf einer stillen Waldwiese am See, Rütli genannt, zusammenzukommen.Das geschah in finsterer Nacht. Alle waren einig, daß sie lieber denTod erleiden, als noch länger in der Knechtschaft leben wollten. Einigewollten sofort zu den Waffen greifen und die Burgen der Tyrannen er-stürmen. Doch das war zu gefährlich. Sie kamen überein, bis zumnächsten Jahreswechsel noch zu warten und dann mit einem Mal alleVögte, sei es mit List oder Gewalt, zu vertreiben. Dann schwuren siemit gen Himmel erhobenen Händen folgenden Bund:

„Wir wollen sein ein einzig Volk von Brudern,

In keiner Not uns trennen und Gefahr.

Wir wollen frei sein, wie die Vater waren,

Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.

Wir wollen trauen auf den höchsten Gott

Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen."

Um den Gehorsam des Urnervolks zu erproben, ließGeßler in Altvrf einen herzvglichenHut auf eine

4. Wilhelm Hell.

Stange stecken; Tag und Nacht standen Wachen davor. Sie geboten,daß jeder Vorübergehende den Hut grüße, wie wenn es der Herzog selberwäre. Eines Tages ging auch Wilhelm Teil aus Bürgten mit seinemKnaben Walther an der Stange vorüber. Dieser machte ihn auf-merksam auf den Hut. Allein der freiheitsliebende Schütze sagte verächt-lich: „Was kümmert uns der Hur!" Die Wache hielt ihn aber an undführte ihn vor Geßler. Da stellte dieser das grausame Verlangen, daßDell zur Strafe seinem Knaben einen Apfel vom Haupte schieße.Tell bat um Verzeihung und Gnade. Es war umsonst. Geßler kannte