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Bilder aus der Welt- und Schweizergeschichte : zur Lust und Lehr der Jugend / Jakob Grunder, Hans Brugger
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171
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II. Von der Notwendigkeit einer Kirchenerneuerung.

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sollen sich an diesen Orten ereignet haben. — Die Dominikaner oderPrediger Mönche zu Bern begingen einen Volksbetrug, der in ganzEuropa Aufsehen erregte. Sie nahmen einen einfältigen und betrügerischenMenschen, den Schneider Hans Jetzer, in ihr Kloster auf. Er schienihnen geeignet, die Rolle eines Wundertäters zu spielen. Damitwollten sie das Volk anlocken und ihrem Gotteshaus neuen Reichtumverschaffen. Sie durchstachen dem Bruder Jetzer nächtlicherweile dieHände und Füße. Das Volk ließen sie glauben, die Gottheit selber habeihm die Wundenmale Christi eingeprägt. Sie behaupteten auch, einMuttergvttesbild habe ob den Leiden Jetzers blutige Tränen geweint.Einige glaubten es, andere witterten Betrug. Das Schelmenstück kaman den Tag. Ein geistliches Gericht, bei dem auch Schinner amtete, ver-urteilte die vier schuldigsten Mönche zum Feuertod. Sie wurden untenauf der „Matte" bei Bern verbrannt.

4. Die hohe Geistlichkeit.Per H'fründeiihandel.

Das böse Beispiel kam von oben. Die hoheGeistlichkeit tat nichts, um die untere zuheben, sie zu bilden und ihr als Vorbild vor-anzuleuchten. Ihr Streben ging nur nach Macht und Reichtum.Der Bischof von Lausanne, zu dessen Sprengel die Stadt Berngehörte, hatte ein jährliches Einkommen von 30,000 Gvldtalern, und vonden 36 Domherren, die alle am Münster zu Lausanne den Gottes-dienst besorgten, bezog ein jeder 4000 Gvldtaler. Noch bunter triebenes die Erzbischöfe, Kardinäle und der Papst selber. Was der heiligeVater in Rom den Schweizern für ihre Kriegshilfe an Sold undFahrgeldern auszahlte, suchte er wieder einzubringen durch Verkaufvon Pfründen, d. h. geistlichen Stellen. Jede derselben war mitEinkünften versehen. Mit diesen wurde gehandelt, wie mit einer Ware.Wer Geld bot, erhielt Pfründen. Der Papst maßte sich das Recht an,alle geistlichen Stellen zu vergeben. Dieses Papstrecht war den Eid-genossen sehr zuwider. Sie wollten auch in geistlichen DingenMeister im Lande sein und nicht dulden, daß wildfremde Leute dieeinheimische» verdrängten.

Schlimmer noch war derAblaßhandel. Daraus floß5. Wom Ablaßhandel ^ heri Päpsten die beste Goldquelle. Es war einun en ap cn. ^ ^ unaufhörlicher Beutezug. Ablaß bedeutete Los-

sprechung von Kirchenstrafen, die man für Sünden abzubüßen hatte.Solche Strafen waren: Ausschluß vom Gottesdienst, Bußübungen, Wall-fahrten, Fasten usw. Wer sein Gewissen erleichtern wollte, kaufte einenAblaßbrief. Es gab pergamentene und papierene, billige und teure, jenach dem Stand und den Geldmitteln des Empfängers. Das Ablaß-wesen war damals ganz zu einem Geldgeschäft ausgeartet, nach derReue über die Sünden wurde nicht lange gefragt. Das Übel kam vonR o m her. — Mitten durch die Halbinsel Italien, von einem Meer zumandern zog sich der Kirchenstaat. In seiner Hauptstadt Rom lebten