172
Die Reformationszeit.
die Päpste in fürstlicher Pracht. Seit dem Konstanzer Konzil hattesich ihre Macht neu befestigt. Unter den Päpsten gab es hochgelehrteMänner. Wissenschaft oder Kunst ging ihnen oft über das Kirchenamt.Im Vatikan, dem Papstpalast, wo Hunderte von Dienern in Samtund Seide aus- und eingingen, fand sich die gröstte Büchersammlung jenerZeit. Dort waren die schönsten Gemälde Rafaels zu sehen. Die Päpstenannten sich Statthalter Christi ; aber in ihrem Leben 'gaben sie keinBeispiel der Entsagung und Bescheidenheit; Alexander VI. (1500)brachte das Papstamt in Verachtung durch seine Laster und Verbrechen.Er hätte am liebsten den Kirchenstaat in ein weltliches Fürstentum ver-wandelt. Auch Julius II., der kriegerische Bundesgenosse der Schweizer,
v
Peterskirche mit <tem Vstikan in üom.
war ganz von weltlichem Ehrgeiz erfüllt. Er trug lieber den Harnischals den Priesterrvck. Ebenso weltlichen Sinnes war Leo X., der NachfolgerJulius II. Er brauchte großartige Summen für seinen verschwenderi-schen Hofhält und für den Ausbau der Peterskirche. Leo schriebeinen Ablaß aus, den er an alle Erzbischöfe verpachtete. Diese schicktenMönche als Ablaßkrämer in die Städte und Dörfer, wo sie den Ablaßgleichsam zu Markte brachten. In der Schweiz erschien der MönchSamson aus Mailand. Nachdem er die innern Orte ausgebeutet hatte,kam er über den Brünig auch ins Bernbiet. Er bot seinen Kram imBerner Münster feil und machte gute Geschäfte. Sogar Briefe für zu-künftige Sünden teilte er aus. Endlich merkten die Leute, welch Possen-spiel hier mit den heiligsten Dingen getrieben wurde. In Zürich fandSamson verschlossene Tür. Hier hatte Zwingli zu wirken begonnen.Die Tagsatzung wies den Mönch aus dem Land.