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Die Zeit des Absolutismus.
lutismus, der von Frankreich herüberwehte, beförderte bei uns dasFamilienregiment, In Zürich, Basel, Schaffhausen und St. Gallenbestanden Z u n f t aristokratien. Reine Geschlechterherrschaft gabes in Luzern, Freiburg und Solothurn, vor allem aber in Bern.
Als Bern noch ein junger Staat war, als es
.. . mit seinen Feinden rang, Land und Leute er-
ganz leicht, Bürger von Bern zu werden.
JederDas
warb, da war es
Um wenige Groschen konnte einer das Bürgerrecht erwerben,arbeitskräftige, tapfere Mann war in der Stadt willkommen,wurde anders in den Zeiten ruhigen Besitzes nach der Reformation,als man die Klostergüter eingezogen und die Waadt erobert hatte.Ein kleinlicher Geist nahm überhand. Aus den Vogteien floßReichtum in die Stadt. Das Bürgerrecht bot viele Vorteile. Vondiesen suchte man andere Leute auszuschließen, indem man keineneuen Bürger mehr als vollberechtigt aufnahm. Wer neu ein-trat, der gehörte zu den Kleinbürgern. Er war nicht regi-mentsfähig, d. h. er konnte nicht in den Großen Rat, nicht zuden Landvogtei- und höhern Offiziersstellen gelangen. Noch tiefer alsdie Kleinbürger standen die Hintersaßen ohne Bürgerrecht, die alsSteuer ein Kopfgeld bezahlten. Es war in Bern Sitte geworden,daß die Räte sich selber ergänzten. Daraus entstand naturgemäß dieErblichkeit der Ratsstellen und des Regiments. Unter den regi-mentsfähigen Familien sonderte sich dann noch ein engerer Kreis vonFamilien ab, die wirklich Regierenden; es waren etwa 70—80Familien. In den Jahren des Bauernkriegs kam für dieses Familien-regiment der römische Name Patriziat auf. Es hat bis Ende des18. Jahrhunderts den bernischen Staat geleitet. Als Landesherrgalt der Rat der Zweihundert oder Große Rat. Seine Mitgliederwaren auf Lebenszeit gewählt uno teilten einander durchs Loos dieVogteien zu. Jeder wünschte in seinem Leben einmal Landvogtzu werden. Alle 10 Jahre wurde der Rat frisch ergänzt. Das wardie Ratserneuerung oder Burgerbesatzung.
Der eigentliche Regent im Land war der Kleine oder Täg-liche Rat mit dem Schultheißen an der Spitze. Er zählte 27 Mit-glieder, unter denen die vier Venner und die beiden Seckelmeister,die das Schatzamt führten, die wichtigsten waren. Der Schultheißwar das Haupt der Landesverwaltung und der oberste Richter. Erführte das Siegel. Sein Amt wechselte jedes Jahr. In zahlreichen