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Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
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Die Inder,

1. Die Inder, jetzt Hindus genannt, sind von Nordwesteneingewandert und bewohnen die ausgedehnten und gesegneten Länder,welche sich südwärts von dem Himalaya erstrecken und die großevorderindische Halbinsel bilden. Die wichtigsten Gebiete liegenzwischen und an den beiden großen Strömen Indus und Ganges,wo seit frühester Zeit die indische Kultur ihren eigentlichen Sitzhatte. Nach dem Indus, welcher die nordwestliche Grenze Indiensgegen das vordere Asien bildet, führen die Bewohner, wie auch dasLand ihren Namen.

2. Die zahlreiche Bevölkerung Indiens entstand aus verschie-denfarbigen Stämmen, die sich nach und nach aus der Halbinsel

niedergelassen hatten. Hiedurch wurde bei den Indern die Aus-bildung des Kastenwesens begünstigt, indem immer der mächtigereStamm sich den schwächeren unterordnete oder dienstbar machte. Derhellfarbige und gebildetere Teil der Inder gehört dem kaukasischenStamme an und nennt sich selbst Arier, d. i. die Tüchtigen, die

Reinen, im Gegensatz zu der übrigen mehr oder minder dunkelfarbigenUrbevölkerung Indiens.

3. Die Hindus zerfallen in 4 Kasten, d. i. abgeschlossene

erbliche Stände, die sich durch besondere Beschäftigungen undRechte streng von einander unterscheiden, und in denen der Sohnstets dem Stande des Vaters folgen muß. Dieselben sind: 1. dieder Priester, 2. die der Krieger, 3. die der Großgrund-

besitzer und Kaufleute und 4. die dienende Klasse. Letztere,die zahlreichste Kaste, ist wieder je nach der Beschäftigung ihrer Mit-glieder in viele Zünfte (als Hirten, Fischer u. s. w.) geteilt.

4. Außerhalb dieser vier Kasten steht eine ganz unterdrückteund als unreine von den übrigen gemiedene und verachtete Klasse,die Pärias. Zu ihr gehören die frühesten Bewohner des Landes,welche die Sitten und Religion der herrschenden Kasten mcht an-nahmen. Sie find völlig rechtlos, und jede Berührung mit ihnengilt als verunreinigend.

5. Dieses Kastenwesen hat die Inder im Fortschreiten der Kulturgehindert, die in der ältesten Zeit sehr blühend gewesen sein muß,wie ihre zahlreichen Schrift- und Baudenkmäler jetzt noch andeuten.Die ältesten und wichtigsten Schriften der indischen Litteratursind die Bücher der Wedas (d. h. das Wissen, zum Teil schonum das Jahr 1500 v. Chr. verfaßt). Sie sind in der uraltenSprache der Inder, in dem Sanskrit, geschrieben und sind dieHauptquellen für unsere Kenntnis der indischen Religion. Eineretwas späteren Zeit (seit 600 v. Chr.) gehören ihre wunderbarenBaudenkmäler an, nämlich die in Granitselsen gehauenen Tempel-