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Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
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7. Die Befugnisse des lange vor Solon bestehenden Areopags,in welchem die tadellos befundenen Archonten lebenslänglich saßen,ordnete er ebenfalls. Derselbe richtete über die schwersten Verbrechenund erhielt die Aufsicht über die Sitten und das Einspruchsrecht gegenstaatsgesahrliche Beschlüsse der Volksversammlung.

8. Solon ließ seine Gesetze auf hölzerne Tafeln eingraben.Diese wurde öffentlich aufgestellt, damit jedermann wissen könne,was er zu thun und zu lassen habe.

9. Ehrfurcht gegen die Gottheit und gegen die Elternerklärte er für die höchste Pflicht, weil auf Erfüllung dieser Pflichtendas Wohl der Gesamtheit und des einzelnen Menschen beruhe. Darumwar jeder ehrlos, der seine Eltern übel behandelte oder ihnen dasNötige versagte. Ein solcher durfte weder in den Tempeln erscheinen,noch an den Versammlungen und Festlichkeiten des Volkes teilnehmen.Auch wurde er von den Gerichten zu körperlicher oder zu Geldstrafeverurteilt. Ein undankbarer Sohn durfte überhaupt kein Staatsamtbekleiden. Doch trafen solche Strafen nur diejenigen Söhne, fürderen Erziehung die Väter gesorgt hatten.

10. Auch für eine bessere Behandlung der Sklaven, welchein Athen Eigentum der Einzelnen waren, sorgte der menschenfreund-liche Solon. Er gab diesen das Recht, sich selbst loszukaufen odervor Gericht von ihrem Herrn zu verlangen, sie an einen menschlicherenHerrn zu verkaufen, wenn sie von jenem mißhandelt worden waren.

11. Wer im Kriege verstümmelt wurde, der mußte auf Staats-kosten erhalten werden, desgleichen die Kinder und Eltern derer, welcheim Kampfe fürs Vaterland gefallen waren. Wer aber durch besondereTüchtigkeit sich auszeichnete oder dem Staate einen großen Diensterwiesen hatte, der wurde im Prytaneum auf Staatskosten gespeist.

12. Eine noch größere Ehre war es, wenn die Volksversamm-lung beschloß, daß einem Bürger, der sich um das Gemeindewesenverdient gemacht hatte, ein Kranz aufs Haupt gesetzt werden solle.Diese Kränze waren aus Laubzweigen gewunden. Erst später, alsdie einfachen Sitten zerfielen, machte man sie von Gold und erteiltesie dann bisweilen auch an Unwürdige.

13. Der Versuch Solons, die Gegensätze zwischen Adel und Volkauszugleichen, war jedoch nicht geglückt. Die Unzufriedenheit benutztePisisträtns, um sich 560 als Tyrann, wie der gegen die bestehendeVerfassung gewaltsam auf den Thron gelangte Herrscher hieß, an dieSpitze des Staates zu stellen. Er regierte milde, schmückte dieStadt mit Bauten, förderte den Handel und ließ die homörischenGesänge sammeln und aufschreiben. Die Tyrannis wurde 510 ge-stürzt und zu ihrer Verhütung das Scherbengericht (Ostrakismus)eingerichtet. 6000 Stimmen verbannten einen Bürger auf 10 Jahre.Doch hatte derselbe dadurch weder einen Vermögensnachteil, noch wurde erehrlos. Die solonischen Gesetze wurden wieder hergestellt. (Kleisthenes.)