Buch 
Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
Entstehung
Seite
27
JPEG-Download
 

27

§ 22 .

Die sieben Weisen.

1. Zur Zeit Solons lebten unter den Griechen noch andereMänner, die sich durch Einsicht und Kenntnisse auszeichneten. Siewurden darum vorzugsweise die Weisen genannt. Man zählte ge-wöhnlich mit Solon deren sieben, nämlich Thales, Bias, Pit-tükus, Periander, Kleobtilus, Chilon.

2. Wie sehr sich diese Männer durch Bescheidenheit, dieschönste Zierde des verständigen Mannes, des ehrenvollen Namenseines Weisen würdig zeigten, lehrt folgende Geschichte. Einwohnerder reichen griechischen Handelsstadt Milet an der schönen Küste vonKleinasien hatten einst etliche Fischer gedungen und ihnen schon imvoraus mit Geld den Zug, den sie thun würden, abgekauft. Alsnun die Fischer das Netz ans Land zogen, bemerkte man darin nebenden Fischen einen goldenen Dreifuß, wie ihn die Griechen beimOpfern gebrauchten.

3. Da entstand ein Streit zwischen den Milesiern und denFischern, wem der Dreifuß gehöre. Man kam endlich überein, dasOrakel zu Delphi zu befragen. Dieses erteilte den Bescheid, mansolle den Dreifuß dem Weisesten geben. Dafür hielt man denThales von Milet, der zuerst unter den Griechen das Eintreffeneiner Sonnenfinsternis berechnete und vorhersagte (für das Jahr610 v. Chr.). Diesem sandte man nun den Dreifuß zum Ehren-geschenke. Thales aber hielt den Bias für würdiger und schickteihm das Ehrengeschenk; dieser aus demselben Grunde an einen andernvon den sieben, und dieser wieder an einen andern, so daß der Drei>fuß bei allen herumkam, weil keiner sich für den Weisesten hielt.Thales aber, der den Dreifuß wiederbekam, sandte ihn als Weih-geschenk in den Tempel des Apollo.

4. Von jedem der sieben Weisen besaß das Altertum lehrreicheAussprüche, die zeigen, wie richtige Vorstellungen von Gott undder Bestimmung des Menschen oft auch die Heiden hatten. Sorührt von Solon der Ausspruch her: „Nichts im Übermaß!", vonPeriander: „Alles mit Vorbedacht!", von Bias: „Was du Gutesverrichtest, schreibe der Gottheit zu!"

s 23.

Die Perserkriege.

1. Was die Griechen durch ihre vortrefflichen 500 449Verfassungen und Gesetze geworden waren, das zeigten v. Chr-sie besonders in den Perserkriegen, in denen ihre Die Perser-Tüchtigkeit, Vaterlandsliebe und Tapferkeit kriege,aufs glänzendste hervorleuchten. -'-