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6. Ein Beleg von der gesunkenen Sittenreinheit der Griechenin dieser Zeit ist AlkibiLdes von Athen. Durch die glänzendstenGaben der Natur und des Glückes, durch Geist, Schönheit und Reich-tum ragte er vor allen seinen Mitbürgern hervor und hätte dadurchdiesen im peloponnesischen Kriege den Sieg verschaffen können.Aber in seinem Leichtsinn entfloh er, als er in Athen wegen desHermenfrevels angeklagt wurde, nach Sparta und reizte die Spartanergegen seine Vaterstadt auf, so daß' der Kriegszug Athens gegenSizilien völlig scheiterte. Heer und Flotte gingen zugrunde, und da-mit waren die Kräfte Athens erschöpft (413).
7. Unter den Männern, die dem einreihenden Verderben durchVerbreitung einer besseren Erkenntnis und Gesinnung entgegenarbeiteten,ragte vor allen Sokrates der Athener hervor.
§ 26.
Sokrates.
1. Svkrätes war der Sohn eines Bildhauers zu 398
Athen. Er widmete sich dem Berufe seines Vaters, v. Chr.
zugleich aber strebte er auch mit aller Kraft, seine Seele Sokrates.zur Weisheit heranzubilden. Während des peloponnesischen Kriegeshatte er als tapferer Bürger für sein Vaterland gestritten.
2. Noch nützlicher suchte er demselben dadurch zu werden, daßer durch Lehre und durch tadellosen, tugendhaften Lebenswandel demSittenverfall seiner Zeit entgegenarbeitete. „Lerne dich selbstkennen!" das hielt er für das Schwerste, aber auch für das Wichtigste.Denn durch richtige Selbsterkenntnis komme der Mensch zur Erkennt-nis des einen geistigen Gottes, dem der Mensch nur durch Übungder Tugend und Gerechtigkeit ähnlich werde.
3. Vor allem suchte Sokrates lernbegierige Jünglinge zu einerbesseren Erkenntnis hinzuführen, die deshalb auch mit großer Liebean dem weisen Meister hingen (z. B. Plato). Doch vergaßen mancheSchüler seine guten Lehren und wurden dem Staate verderblich (z. B.Alkibiades und Kritias, der schlimmste der 30 Tyrannen). DasOrakel zu Delphi selbst hatte ihn für den weisesten der Menschenerklärt. Da machte sich der edle Mann, ein Muster der Bescheiden-heit, auf und ging zu den ausgezeichnetsten Staatsmännern, Gelehrten,Künstlern und Handwerkern Griechenlands, in der Hoffnung, er werdegewiß einen finden, der weiser sei als er. Aber er fand keinen, denndie meisten waren voll Eitelkeit und Dünkel.
4. Sokrates sagte darum später in seiner Verteidigungsredezu dem athenischen Volke: „Das Orakel zu Delphi wird mich wohldarum für den Weisesten erklärt haben, weil ich mehr als andereeinsehe, daß menschliche Weisheit allein nicht viel zu bedeuten hat.Denn wo diese nicht mit der Erkenntnis der menschlichen Unvollkommen-