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Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
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heit, also mit dem Gefühle der Demut verbunden ist, da artet sieleicht in Dünkel und Hochmut aus."

2. Sokrates selbst erklärte, daß er eine bessere Erkenntnis derWahrheit einer höheren Eingebung verdanke. Daher haßten ihn^auchseine Gegner, die sogenannten Sophisten, d. i. Leute, die sich inihrem Dünkel selbst für Weise hielten, ohne es zu sein, und die mitglänzenden und täuschenden Reden das Volk bethörten.

Sokrates hatte ihre Selbstsucht enthüllt und die Nichtigkeitihrer angeblichen Weisheit gezeigt. Sie suchten daher Rache an ihmzu nehmen und klagten ihn vor dem Volke an, daß er die Jugendverderbe und neue Götter einführe.

6. Mit edler Ruhe verteidigte sich Sokrates, indem er denRichtern sein Leben schilderte. Er zeigte, wie er als Bürger demVaterlande treu gedient und stets nur dahin gestrebt habe, seineMitbürger tugendhafter und glücklicher zu machen. Unter anderemsagte er: „Wohin der Mensch von Gott gestellt ist, da muß er aus-harren und weder den Tod, noch irgend etwas Anderes fürchten. Wennich nun von meinem Posten gewichen wäre, so könnte mich mit Rechteiner anklagen, weil ich dem Willen der Gottheit zuwider gehandelthätte. Gesetzwidrig handeln und dem Bessern widerstreben, ist übelund schändlich. Wenn ihr mich also auch diesmal lossprächet unterder Bedingung, daß ich von meinem bisherigen Thun abließe, sowürde ich sagen: „Ich bin zwar Euch verbunden, Ihr Athener;gehorchen aber werde ich Gott mehr als Euch."

7. Diese edle, männliche Sprache erbitterte die Richter, ine eherThränen und Bitten erwartet hatten. Der siebenzigjährigc Greiswurde mit einer Mehrheit von drei Stimmen zum Tode verurteilt.

8. Nach athenischem Rechte konnte der Verurteilte eine andere,mildere Strafe (z. B. eine Geldstrafe) beantragen, über welche danndie Richter abstimmten. Zu stolz, um deren Mitleid anzurufen, undzu fest von seiner Unschuld überzeugt, sprach Sokrates, er habe dieEhre verdient, daß er lebenslänglich auf Staatskosten im Rathausegespeist werde. Diese Rede erbitterte die Richter noch mehr. Sokrateswurde verurteilt, den Giftbecher zu trinken, und ins Gefängnis abgeführt.

8. Dort lebte er noch dreißig Tage, weil gerade das heiligeSchiff nach Delos abgefahren war, um dem Apollo ein Opfer zu.bringen, und weil vor dessen Rückkehr kein Todesurteil vollstrecktwerden durfte. Die angebotene Gelegenheit, heimlich zu entweichen,wollte er nicht benutzen, weil man den Gesetzen des Vaterlandes injedem Falle gehorsam sein müsse. Bis zum letzten Augenblick be-lehrte er seine Schüler. Dann trank er, nachdem er gebetet hatte,daß sein Übergang in das bessere Land glücklich von statten gehenmöge, mit heiterer Miene den Giftbecher (399 v. Chr.). So starbder weiseste und beste Grieche als Opfer eines ungerechten Richter-spruches.