64
in der Todesqual beselige. So wurde das Blut der Märtyrergleichsam die Aussaat neuer Bekenuer.
6. Unter Konstantin dem Großen hatte das Christentumbereits so viele Anhänger im ganzen Reiche, daß dieser Kaiser schonaus Staatsklugheit sich aus die Seite der Christen neigte. Bereitssein Vater hatte aus angeborener Milde die Christen geschützt,während sie in anderen Teilen des Reiches noch grausam verfolgt wurden.Konstantin selbst war durch seine Mutter Helena, eine eifrigeFreundin des Christentums, noch günstiger für dieses gestimmt worden.Da änderte ein unerwartetes Ereignis gänzlich die bisherige Stellungder Christen im römischen Reiche.
7. Dieses hatte nämlich zur Zeit Konstantins mehrere Kaiser,die sich in die Regierung der einzelnen Provinzen teilten. Die hartbedrückten Römer riefen Konstantin zu Hilfe. Dieser besiegte denMitherrscher für Italien (312). Nach Besiegung seines Mitkaisersim Osten hatte Konstantin die Alleinherrschaft im ganzen römischenReiche erlangt.
8. Man erzählt, Konstantin habe auf dem Zuge nach Italienim Dränge seiner Seele über den ungewissen Ausgang seines Unter-nehmens zu dem Gotte der Christen gebetet und um ein Zeichenseiner Hilfe gefleht; er habe darauf eine Erscheinung am Himmel,ein glänzendes Kreuz, gesehen mit der Inschrift: „In diesem Zeichenwirst Du siegen." Konstantin machte das Kreuzeszeichen zum Feld-zeichen seines Heeres und errang einen vollständigen Sieg.
9. Konstantin gab im Jahre 3l3 zuerst einen Duldungs-erlaß, in welchem einem jeden freies Bekenntnis seiner Religiongestattet wurde. Von nun an sank das Heidentum immer mehr, undKonstantin selbst verbot später dessen Übung, wodurch das ChristentumStaatsreligion im römischen Reiche wurde. Konstantin selbst ließsich erst kurz vor seinem Tode taufen.
10. In der Christengemeinde gab es anfangs kein gelehrtesPriestcrtmn. Es predigte, wer die Gabe dazu in sich fühlte. Esgab Kirchenvorsteher (Presbyter, Priester) und Armen- und Kranken-pfleger (Diakonen). Aber schon im 2. Jahrhundert sonderten sichvon den Laien (—Volk) die Priester, welche die neue Lehreerforschten, lehrten und verteidigten. Die Spitze der Christengemeindebildete ein Aufseher (Bischof). Die Gesamtheit der Bischöfe vertratdie gesamte christliche Gemeinde. Bald ragten unter ihnen die Bischöfein den Provinzialhauptftädten des römischenNeichesals Metropolitanehervor. Unter diesen waren die angesehensten, welche in den ältestenund bedeutendsten Gemeinden saßen, die von Alexandria in Ägypten,von Antiochia in Syrien, von Konstantinopel und von Rom (Patri-archen). Von ihnen erlangte zu Rom der Papst (papa — Vater)im Laufe der Jahrhunderte die erste Stellung.