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2. Auch Frankreich, das jetzt Deutschlands Zerrüttung fürsich zu benutzen suchte, nahm bald thätigen Anteil an dem Kriege,als die Schweden bei Nördlingen in Franken von dem kaiserlichenHeere auss Haupt geschlagen worden waren (1634). Verwüstenddrangen nun französische Heere über den Rhein vor.
- 3. Doch vermochte bei gegenseitiger Erschöpfung
keine Partei über die andere ein entschiedenes ÜbergewichtFriede ^ Zu erringen. Deshalb verstand man sich endlich nach
-— langen Unterhandlungen zu Osnabrück und Münster
in Westfalen zu dem Westfälischen Frieden (1648). Der Kriegnahm da seinen Ansgang, wo er begonnen hatte, indem der schwedischeGeneral Königsmark kurz vor dem Friedensschluß die kleine Seitevon Prag eroberte.
4. Frankreich erhielt Elsaß, jedoch mit Ausnahme der Reichs-stadt Straßburg, ferner die Bistümer Metz, Toul und Verdun.Schweden bekam Vorpommern, die Insel Rügen, die StifteBremen und Verden und die Stadt Wismar.
Der Sohn des „Winterkönigs" erhielt die Rheinpfalz mit derachten Kurwürde, Brandenburg, das Erbansprüche auf ganz Pommernhatte, Hinterpommern und als Entschädigung für Vorpommerndie Bistümer Minden, Halberstadt und Cammin und die An-wartschaft auf das Erzbistum Magdeburg.
Auch wurde die Ünabhängigkeit der Schweiz und der Nieder-lande vom Deutschen Reiche jetzt erst feierlich anerkannt.
5. Den Fürsten wurde die volle Landeshoheit bewilligt undinsbesondere das Recht eingeräumt, Bündnisse zu schließen, nur nichtgegen Kaiser und Reich. Dadurch wurden sie vom Kaiser fast gänzlichunabhängig. Dagegen sollte der Reichstag, der nun bald dauerndzu Regensburg saß, die oberste Gewalt im Reiche besitzen.
6. Der Augsburger Religionsfrieden. wurde auch auf die Re-formierten ausgedehnt und eine vollkommene Gleichheit zwischenProtestanten und Katholiken als den Bekennern der einen christlichenKirche festgesetzt. In Bezug auf Ausübung der Religion aneinem Orte und den Besitz der Kirchengüter sollte das Jahr1624 als Normaljahr zwischen den Anhängern der Reformationund den Katholiken entscheiden. Die Bürgschaft für die Durchführungdes Friedens übernahmen Frankreich und Schweden.
7. Der Westfälische Friede hat zwar die Leiden eines schreck-lichen Krieges geendet, ist aber für unser Vaterland der Anfang tieferErniedrigung geworden. Denn den Feinden überließ man einigeseiner schönsten Provinzen und lud sie dadurch ein, auch in Zukunftauf Deutschlands Kosten sich zu vergrößern.
Die Zustände im Reiche waren trostlos. Das Land lag verödet,die Bevölkerung sank um die Hälfte; was der Krieg noch verschonte,