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Dr. Joseph Becks Leitfaden beim ersten Unterricht in der Geschichte : in vorzugsweise biographischer Behandlung und mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Geschichte
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Seit Jahrhunderten war es der leitende Grundgedanke der fran-zösischen Politik, Deutschland in seiner Zerrissenheit und Schwäche zuerhalten, um auf dessen Küsten Frankreich zu vergrößern. Dieser Er-oberungssucht Frankreichs war es bereits gelungen, durch List undRaub einige der schönsten Landschaften (Elsaß-Lothringen) vonDeutschland abzureißen. Der Rhein galt dem französischen Volkeschon lange als „natürliche Grenze" im Osten. Deshalb müssealles linksrheinische Gebiet mit Frankreich vereinigt werden.

4. Diesen Wunsch seines Volkes suchte Kaiser Napoleon III.

Zu befriedigen, als die Unzufriedenheit mit seiner Regierung zunahm.Denn Napoleon hatte der Eitelkeit Frankreichs durch Kriege undglänzende Unternehmungen geschmeichelt und dadurch die Aufmerksam-keit des getäuschten Volkes von der willkürlichen Regierung abgelenkt. ^Im Krimkriege und im italischen Kriege hatten sich die französischenHeere mit Ruhm bedeckt. Dadurch war der Glaube noch mehr be-festigt worden, daß Frankreich an der Spitze Europas marschiere.

5. Aber das Unternehmen gegen Mexiko (1867), das vielGeld und Tausende von Menschen gekostet hatte, mißlang vollständig.

Im Innern erhoben die Feinde der Alleinherrschaft kühner ihr Hauptund bereiteten der Regierung Napoleons Schwierigkeiten. Da kam derglänzende, aber unerwartete Sieg Preußens über Österreich. Erzerstörte die Hoffnung Napoleons, daß beide Mächte sich durch einenlangen Krieg schwächen würden und daher ihm für die Vermittlungdes Friedens das linke Rheinufer als Preis zufallen werde.

6. Denn in allen Kreisen des deutschen Volkes war infolge desKrieges das nationale Bewußtsein wesentlich erstarkt, und Deutsch-land war mächtiger als jemals. König Wilhelm von Preußenerkannte, daß Preußens Bestehen und Wohlfahrt mit einer geach-teten nationalen Stellung des deutschen Volkes unlöslichverbunden sei. Deshalb erstrebte der König die Befestigung dernationalen Einigung Deutschlands im Innern und eine geachteteSelbständigkeit nach außen. In diesem Streben wurde er auf daserfolgreichste durch seinen Minister, den Grafen Bismarck, unter-stützt, der seine einzig hohe Begabung für die schwierigen Ausgabeneines Staatsmannes in der ebenso thatkräftigen, wie besonnenen Leitungder auswärtigen Angelegenheiten bewährt hatte und zum Heile Preußensund des gesamten Deutschlands auch ferner bewiesen hat.

7. Der Ruhm Preußens und die deutsche Einheit erregten denNeid Frankreichs. Die „große Nation" erhob den Ruf „Rache fürSadvwa"* Zur Losung und drängte Napoleon vorwärts. AberPreußen vermied sorgfältig alles, was Frankreich Anlaß Zu einemKriege bieten konnte. Ebenso entschieden trat es aber auch Napoleons

* Ort nahe bei Königgrätz, nach dem die Franzosen die Schlacht be-nannten.