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12. Auf das Drängen der Kriegspartei am kaiserlichen Hofe,vor allem des Ministers Gramont, ließ Napoleon durch denfranzösischen Gesandten am preußischen Hofe, Benedetti, vonKönig Wilhelm, der sich eben zur Kur in Bad Ems befand, ver-langen: der König möge sich für alle Zukunft verpflichten, demPrinzen von Hohenzollern niemals die Annahme der spanischen Kronezu erlauben, auch wegen des Vorgefallenen eine Art Entschuldigungs-schreiben an den Kaiser Napoleon richten.
Eine solche Zumutung, auch in formwidrigster Weise an denKönig gebracht, wurde von diesem mit Ruhe und Entschiedenheit zu-rückgewiesen. Auch lehnte er es ab, den Gesandten nochmals zuempfangen, da er ihm nichts weiter mitzuteilen habe.
13. In Paris erklärte man jetzt die Ehre und
Würde Frankreichs verletzt, was Genugthuung verlange. 19 , ^ 9 .Die Entscheidung der kaiserlichen Regierung für den FranzösischeKrieg wurde mit Jubel begrüßt. Unter brausendem Kriegs-Beifall bewilligte die Volksvertretung die Kriegsmittel. erklärung.Bereits am 19. Juli wurde die französische Kriegserklärungin Berlin übergeben.*
So hatte die Napoleonische Regierung auch nach Beseitigungdes ursprünglichen Borwandes in frevelhaftem Übermut Frankreichin einen furchtbaren Krieg gestürzt. Aber das Gottesgericht solltesich bald gegen die Urheber des Krieges selbst wenden und die Strafedem Frevel auf dem Fuße folgen.
14. Die Vorgänge in Ems brachten in Deutschland eine tief-gehende Bewegung hervor. Eine so mutwillige Herausforderung undschwere Kränkung wurden in allen Kreisen des deutschen Volkes mitheiligem Zorne und sittlicher Entrüstung aufgenommen. DieDemütigung, welche dem greisen Könige Wilhelm zugemutet war,empfand das deutsche Volk als ein Mann. Es fühlte, daß es sichum das höchste Gut eines Volkes, um seine nationale Ehre und seineSelbständigkeit handle. Es war entschlossen, in einem so gerechtenVerteidigungskrieg treu seine Pflichten gegen das gemeinsameVaterland zu erfüllen.
15. Die edle, vaterländische Begeisterung zeigte sich dem KönigeWilhelm, als er unter großartigen Kundgebungen seines Volkesvon Ems nach Berlin zurückkehrte. Der Norddeutsche Reichstag be-willigte die Kriegsmittel. Aus allen Gegenden Deutschlands, ja vonjenseits des Meeres trafen freudige Zustimmungen in Berlin ein.„Die Wacht am Rhein" erscholl überall und wurde das Kampf- und
* Bismarck erklärte in einem Rundschreiben an die Vertreter desNorddeutschen Bundes: „Es ist das die erste und einzige amtliche Mit-teilung, die wir in der ganzen, die Welt seit 14 Tagen beschäftigendenAngelegenheit von der Kaiserlich Französischen Regierung erhalten haben."