177
Friedrich Karl ein und siegte am 28. November bei Beaune laRolande (nordöstlich von Orleans). Nachdem darauf die Baiernund Mecklenburger auch den linken Flügel des Loireheeres inschweren, aber siegreichen Kämpfen zurückgeworfen hatten, konnteOrleans am 5. Dezember zum zweitenmal besetzt werden. Gleich-zeitig hatte das Heer in Paris einen Ausfall nach Südosten mitgroßer Übermacht unternommen, war aber nach- anfänglichen Erfolgenschließlich wieder von den Deutschen zurückgedrängt worden.
8. Der Grvßherzog von Mecklenburg verfolgte den Feindweiter die Loire abwärts und vertrieb den General Chanzy ineinem viertägigen Kampfe aus seiner festen Stellung bei Beangency(7.—10. Dez.). Zu Anfang des Jahres 1871 versuchte Chanzy dieHauptstadt von Westen zu entsetzen. Er hatte deshalb bei Le Mansein großes Heer gesammelt. Die gegen ihn geschickten deutschenTruppen hatten mit ungeheuren Schwierigkeiten des Geländes zuringen. Aber in beständigen Gefechten rückten Prinz Friedrich Karlund der Großherzog von Mecklenburg unaufhaltsam vor und ver-nichteten in der dreitägigen Entscheidungsschlacht bei Le Mans(10. —12. Januar) das Heer des Generals Chanzy, so daß Parisvon dieser Seite her nicht mehr aus Entsatz rechnen konnte. Am19. Januar ward Tours besetzt, von wo die Regierung nach Bor-deaux entwichen war.
9. Das gleiche Geschick mit der Loirearmee teilte das Heer,das im Nordwesten Frankreichs zum Entsatz von Paris (unter Ge-neral Faidherbe) zusammengezogen war. Das Nordheer wurdenach einer Reihe heftiger und siegreicher Kämpfe von General Man-tenffel und nach dessen Abmarsch gegen Südosten von GeneralGöben, — von diesem in der Entscheidungsschlacht von St.O-nentin (19. Januar 1871), — völlig aus dem Felde geschlagenund der Auflösung nahe gebracht. Die Reste des zersprengten Heeressuchten ihre Zuflucht in den festen Plätzen an der Nordgrenze Frank-reichs, insbesondere in dem starken Lille. So waren die Entsatz-heere überall zurückgeschlagen, und die französische Hauptstadt wardenger denn je umschlossen.
10. Auf dem dritten Kriegsschauplatz, im Osten Frankreichs,war nach der Übergabe Straßburgs General Werder südwärtsgezogen.
Die starke Festung Belfort wurde umschlossen und Dijonnach heißem Kampfe besetzt. Am 18. Dezember wurde südlich vonDijon ein blutiger, aber glänzender Sieg über eine überlegene feind-liche Truppenabteilung erfochten. Überall war auch hier der Wider-stand des Feindes gebrochen. Die zahlreichen Freischaren, unterdiesen auch italische, die unter Garibaldi der französischen RepublikHilfe bringen wollten, waren zersprengt oder zurückgeworfen worden. .
Beck-Viereck, Leitf. d. Geschichte. S9. Aufl. 12