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vor und ruft: „Seine Majestät der deutsche Kaiser Wilhelm lebehoch!" Begeistert stimmt die Versammlung dreimal in den Ruf ein.Dann durchbrausen die Klänge des „Heil dir im Siegerkranz" denFestsaal. Der Kaiser begrüßt die Fürsten und verläßt alsdann unterden Klängen des Hohensriedberger Marsches den Saal. — So warendlich das Sehnen unseres Volkes gestillt. Die deutsche Einheitwar geschaffen und ein kraftvolles Kaisertum im HauseHohenzollern errichtet.
4. Das Deutsche Reich besteht aus 26 Staaten. Es umfaßtmit Einschluß von Elsaß-Lothringen, die als Reichslande un-mittelbar unter Kaiser und Reich gestellt wurden, aus einem Flächen-raum von 545 000 csüm (gegen 0900 s^M.) eine Bevölkerung vonmehr als 50 Millionen Seelen. — Die Leitung des Bundessteht dem jedesmaligen Könige von Preußen zu, welcher den erb-lichen Titel „Deutscher Kaiser" führt. Er vertritt das Reich nachaußen; er erklärt mit Zustimmung des Bundesrates den Krieg undschließt Frieden; er führt den Oberbefehl über das Heer und dieFlotte. Im Bundesrat, der an der Vorbereitung der Gesetze undan allen wichtigen Berwaltungszweigen Anteil hat, ist jede Regierungder vereinigten deutschen Staaten vertreten. Er zählt 58 Stimmen,von denen Preußen 17 führt, Baiern 6, Sachsen und Württembergje 4, Baden und Hessen je 3, Mecklenburg-Schwerin und Braun-schweig je 2, die übrigen 17 Staaten je 1. Den Vorsitz im Bundes-rate führt der Reichskanzler, den der Kaiser ernennt, und derdie Angelegenheiten des Reiches leitet. Erster Reichskanzler warFürst Bismarck von 1871 bis 1890. — Der Reichstag, die Ver-tretung des deutschen Volkes, besteht aus 397 Abgeordneten, die inallgemeinen und unmittelbaren Wahlen mit geheimer Abstimmungaus fünf Jahre gewählt werden.
Der erste deutsche Reichstag ist vom Kaiser am 21. März1871 zu Berlin eröffnet worden.
5. Am 16. Juni hielt Kaiser Wilhelm an der Spitze seinertapferen Garden, die durch Abordnungen des gesamten Heeres ver-stärkt waren, seinen Einzug in die festlich geschmückte Reichshaupt-stadt. In seiner Umgebung befanden sich die deutschen Fürsten und
Unabhängigkeit Deutschlands, gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes, zuverteidigen. Wir nehmen sie an in der Hoffnung, daß dem deutschen Volkevergönnt sein wird. den Lohn seiner heißen und opfermutigen Kämpfe indauerndem Frieden und innerhalb der Grenzen zu genießen, welche demVaterlande die seit Jahrhunderten entbehrte Sicherheit gegen erneute An-griffe Frankreichs gewähren. Uns aber und Unsern Nachfolgern m derKaiserkrone wolle Gott verleihen, allzeit Mehrer des DeutschenReiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondernan den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete natio-naler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung."