41
Nächst Wodan genoß Donar die höchste Verehrung. Dieserschleuderte den Donnerkeil, der immer wieder in seine Hand zu-rückkehrte. Zu ihm betete man, wenn die Blitzstrahlen das Firma-ment beleuchteten. Wenn der Donner rollte, so ruhte selbst dasKampfesschwert. Während der Schlacht bei Adrianopel zogendie Goten sofort in ihre Wagenburg zurück, als ein Gewitternahte. Denn wenn Gott Donar sprach, geziemte es dem Men-schen, in ehrerbietiger Stille zu verharren. Wenn die Gefildenach dem befruchtenden Regen schmachteten, oder wenn man fürden Viehstand Gedeihen herbeiwünschte, richteten sich die bitten-den Blicke zu Donar empor. Ihm gehörte der Donnerstag. Dasoberste Fest, das Julfest, an dessen Stelle Weihnachten getretenist, feierten sie zur Zeit der Wintersonnenwende. In Island giltheute noch diese Zeit als Eeburtszeit des Jahres. Auch beim Wechselder andern Jahreszeiten wurden Freudenfeuer angezündet. Daranerinnern die Fastnachts- und Johannifeuer.
Als Kriegsgott verehrten die Germanen Ziu. Da dieserGott auch als Beschützer des Rechtes galt, wurden am zweitengermanischen Wochentage, am Dienstag („Zistig"), die Gerichts-tage abgehalten. In vielen Schweizergegenden erhielt sich dieserBrauch bis in die neueste Zeit.
Als Sohn Wodans galt „Baldur", der in der Blüte seinerJugend sterben mutzte infolge der Tücke des neidischen GottesLoki. Die ganze Natur trauerte um den freundlichen Gott desLichtes und der Wärme. Da ward er wieder zu neuem Lebengerufen. Der Frühling kam wieder ins Land. —
18. Hermann, der Befreier Deutschlands.
Schon Cäsar war zweimal von Gallien aus über den Rheingezogen und hatte versucht, in Germanien einzudringen. Abererst unter Kaiser Augustus wurde die Unterwerfung des Landesernstlicher betrieben. Sein Stiefsohn Drusus gelangte in vierFeldzügen bis in das Gebiet der Weser, und Tiberius, dessenBruder, errichtete an den wichtigsten Punkten Standlager undFestungen. Die verschiedenen deutschen Stämme wußte er geschicktdurch Uneinigkeit zu trennen, so daß sich viele den Römern an-schlössen, die kriegslustige Jugend sogar unter den römischen Fahnen