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v. Chr.Kyrus.
559 v. Chr. Hierauf dehnte Kyrus seine Herr-schaft noch weiter in Asien aus und unterwarf diemeisten Völker vom Indus bis zum Mittel-meere.
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Krösus der Lydier.
1. Unter den Völkern Kleinasiens, welche Kyrusderpersischen Herrschaft unterwarf, waren die mächtigstendie Lydier. Ihr König Krösus, der zur Zeit des Kyruslebte, hatte ungeheure Reichtümer in seiner Hauptstadt Sar -des aufgehäuft und setzte sein ganzes Vertrauen auf sie.
2. Als daher einst So Ion, der weise Gesetzgeber vonAthen, auf seinen Reisen zu ihm kam, führte er ihn inseinen Schatzkammern umher und hoffte, von ihm für denglücklichsten Sterblichen gehalten zu werden. Dieser aber er-klärte zuerst den Athener Tellus, weil er ein glücklichesLeben geführt habe und den schönsten Tod fürs Vaterlandgestorben sei, und dann die Argiver Kleobis und Bitonfür Glückliche, weil sie in Erfüllung ihrer Pflichten ein schönesEnde gefunden hätten und auch nach ihrem Tode von ihrenMitbürgern hoch geehrt worden seien.
3. Krösus wurde unwillig, daß Solon ihn, einen somächtigen und reichen König, nicht einmal gewöhnlichen Bür-gern gleichstellen wollte. Da sprach Solon: „Reich bist duzwar und ein mächtiger König, aber glücklich noch nicht. Dennbei dem Wechsel alles Irdischen ist niemand vor seinem Todeglücklich zu preisen. Bei allen Dingen muß man auf den Aus-gang achten. Die Götter haben viele Menschen glücklich be-ginnen lassen und dann gänzlich zugrunde gerichtet".
4. Bald sollte Krösus die Wahrheit der Worte Solonserfahren. Als nämlich Astyages, sein Schwager und Ver-bündeter, durch Kyrus vom Throne gestürzt worden war,beschloß Krösus, ihn zu rächen. Er wurde dazu durch denSpruch des Orakels zu Delphi ermuntert: „Wenn Krösus überden Halys geht, wird er ein großes Reich zerstören". Er zoggegen die Perser, wurde aber geschlagen und in seinerHauptstadt Sardes belagert. Kyrus erstürmte die Stadt,nahm den Krösus gefangen und befahl, ihn auf einemScheiterhaufen zu verbrennen (549).
5. Im Angesichts des Todes bereute Krösus sein früheresVertrauen auf irdische Schätze und gedachte der Worte Sa-lons, indem er voll Wehmut ausrief: „O S o I o n , S o l o n,