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Ausnahme machten Kolberg, das Schilt, Gneisenau undNettelbeck verteidigten, Graudenz, wo Courbisre gebot,und einige schlesische Festungen. Auch die einzelnen preußi-schen Heeresabteilungen ergaben sich den französischen Feld-herrn, so Hohenlohe bei Prenzlau. Nur Blücher schlug sichmit Scharnhorst und Aork nach Lübeck durch und ergabsich erst, als er „kein Brot und keinen Schieszbedarf mehrhatte". Während die Preußische Königsfamilie nach Königs-berg flüchtete, zog Napoleon in Berlin ein. Von hier ausverbot er durch die Festlandsperre jeden Handel und Verkehrmit England.
5. Jetzt nahm auch Rußland am Kriege gegen Frank-
reich teil. Doch gewann Napoleon im folgenden Jahre (1807),nachdem er in der blutigen Schlacht bei Prcnßisch-Eylan gegendie vereinigte preußisch-russische Macht unentschieden gekämpfthatte, bei Fricdlmid in Ostpreußen über die Russen — 7 ^ 77 :—die Oberhand. Jetzt ließ Alexander I. Preußen 'oVrim Stich, was den Frieden zu Tilsit (Juli 1897) ^ ' '
herbeiführte. Preußen mußte die Erwerbungen aus derzweiten und dritten polnischen Teilung und alles Landjenseits der Elbe abtreten. Jene Gebiete erhielt als Herzog-tum Warschau Preußens einstiger Verbündeter, der zumKönig erhobene Kurfürst von Sachsen. Aus diesem deut-schen Lande bildete Napoleon unter Zuziehung von Kur-hessen und Brauuschweig, deren Fürsten flüchtig waren,und einem Teile Hannovers das Königreich Westfalen unterseinem jüngsten Bruder Jerome, der seinen Sitz in Kasselaufschlug. Preußen mußte hohe Kriegskosten zahlen unddurfte nur eiu stehendes Heer von 42 900 Mann halten.
6. In diesem tiefen Unglück erkannten Preußens Volkund König, daß eine Neuordnung der staatlichen, bürgerlichenund militärischen Verhältnisse notwenig sei. Die Stcin-Hardenbergschcn Reformen gingen von dem Gedanken aus, daßdie Vaterlandsliebe, die Hingabe an den Staat, das Gefühl,daß der einzelne mitverantwortlich sei für das Wohlergehen derGesamtheit, geweckt werden müßten. Das war jedoch nurmöglich, wenn die Beschränkungen, die früher dem einzelnenauferlegt worden waren, beseitigt und den StaatsbürgernFreiheiten und Rechte verliehen wurden.
7. Der König berief den soeben in Ungnade entlassenenFreiherr» vom Stein* an die Spitze der Regierung. Zuerst
* Freiherr vom und zum Stein war 1757 in Nassau geboren,war aus Verehrung sür Friedrich den Großen in den preußischen Verwaltungs-dienst getreten, hatte sich als Oberpräsident der westfälischen Landesteile um deren