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Bilder aus der alten Geschichte.
sie in L-panien, man sagt, in solcher Menge, daß sie selbst Anker daraus gössen. AusBritannien holten sie Zinn und von Ceylon den Zimt. Ob sie den Bernstein, densie nach dem Morgenland brachten, von den Küsten der Ostsee selbst geholt oder vonden an der Nordseeküste wohnenden Völkern eingetauscht haben, ist noch nicht bewiesen.Vom Roten Meere aus umschifften sie ganz Afrika und kehrten nach dreijähriger Fahrtdurch die Straße von Gibraltar und das Mittelmeer zurück. An den Seehandelreihte sich der Karawanenhandel. Ihre Hauptstadt Tyrus wurde der Markt derWelt. Hierher brachte der Ägypter Baumwolle und Wein, der Syrer Samt undSeide, der Jude Ol und Weizen, der Araber Spezereien und Vieh, die Jndier köst-liche Gewürze, Elfenbein, Gold- und Edelsteine, der Kaukasier Pferde und Metalle.Dies alles wurde ausgetauscht gegen die Erzeugnisse des Landes: Glas- und Metall-waren, Purpurgewander und Bernsteinschmuck, Geräte aus Holz und Elfenbein.Sorgsam verhehlten sie ihre Handelswege und die Fundorte ihrer Schätze, schrecktenvielleicht gar durch übertriebene Schilderungen ihrer Abenteuer andere vor ähnlichenUnternehmungen zurück. So erzählten sie, jenseits der „Säulen des Herkules" seidas Meer steif wie Gallerte, und feuerspeiende Ungeheuer drohten Tod und Verderben.
Erfindungen. Von besonderen Erfindungen schreibt man den Phöniziern zu:die Bereitung des Glases, die Buchstabenschrift, Weberei und Färberei. Sie verstandenes, edle Metalle zu stempeln, um sie im Handel als Tauschmittel zu verwenden(Geld). — Zur Förderung ihres Handels und als Stützpunkte bei ihren Seefahrtengründeten sie auf den Inseln und an den Küsten des Mittelmeeres Kolonieen. Unter diesensind Gades (Cadix) in Spanien und Karthago in Afrika besonders berühmt geworden.
Die Religion der Phönizier war ein Sternendienst. Baal (Bei) war derSonnengott, Astarte die Mondgöttin, auch Göttin des Hains genannt. DemMoloch opferte man Kinder, indem man sie in die Arme seiner ehernen Bildsäulelegte uud verbrannte. Adonis war der Gott des Frühlings.
Die Einwohner von TyrnS waren nicht nur erfinderisch und reich, sie bewahrtensich auch Liebe zur Freiheit und männlichen Mut. Salmanassar, König von Assyrien,belagerte die Stadt fünf Jahre vergeblich. Nebukadnezar von Babylon unterwarf zwarganz Phönizier:, aber von Tyrus vermochte er nach 13 jähriger Belagerung nur dieMauern, nicht den Mut der Verteidiger zu brechen. Auf einer nahen Insel bauten sieein neues Tyrus. Dem Perserkönig Cyrus unterwarfen sie sich freiwillig. Sie stelltenihm Kriegsschiffe und behielten dafür ihre Selbständigkeit. Alexander dem Großen, der332 v. Chr. ganz Syrien und Phönizier! erobert hatte, wagte nur Tyrus zu trotzen. Umdie Stadt zu bezwingen, baute der König einen festen Damm vonr Festland bis zur Insel,auf der Neuthrus lag. -Nach siebenmonatlichem Verzweiflungskampfe reichten die Bürgerzur Verteidigung nicht mehr hin. Der Feind dringt in die Stadt und — was nicht denmazedonischen Schwertern erlag, wurde gefangen außer Landes geführt. Die Stadt wurdezwar wieder aufgebaut, aber ihre frühere Bedeutung konnte sie nie mehr erlangen. Mittler-weile war der Welthandel an die von Alexander dem Großen erbaute Stadt Alexandriain Ägypten übergegangen. Wo einst die stolze Meerbeherrscherin sich ausdehnte, liegt heuteein unbedeutendes Dörfchen.
Karthago (d. i. Neustadt) wurde nach einer Sage von Dido, der Schwester einesKönigs von Tyrus, gegründet. Dieselbe hatte sich rnit anderen Mißvergnügten vor demGeiz und der Grausamkeit ihres Bruders hierher geflüchtet l888 v. Chr.) Die Stadt erhobsich auf einer Landzunge, wo jetzt die Stadt Tunis liegt. Anfangs war sie noch abhängigvon den umwohnenden Häuptlingen. Durch den Bürgersinn und den Gewerbfleiß ihrerBewohner, sowie ihren schwungvollen Handel zu Wasser und zu Land erlangte die Stadtjedoch immer größere Bedeutung. Nach und nach kam die ganze Nordküste Afrikas in ihreGewalt. Die Karthager, von den Römern auch Punier genannt, gründeten auf Sizilien,Sardinien, Corsika und in Spanien Niederlassungen. Ihre Seefahrten dehnten sie nochweiter aus als das Mutterland, von dem sie ausgegangen waren. Als sie aber Sizilien,die Kornkammer der alten Welt, ganz in ihren Besitz zu bringen suchten, kamen sie mitSyrakus, der bedeutendsten griechischen Kolonie, und später mit den Römern in lang-wierige Kämpfe. Diese von 264 bis 146 v. Chr. währenden Kriege nennt man die puni-fchen (siehe Geschichte der Römer). Da aber die Karthager ihre Kriege nur mit schwer zubefriedigenden Hilfstruppen führten, so hatten die endlosen Kriege die Zerrüttung desWohlstandes und zuletzt den Unteraang des Staates zur Folge.