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Bilder aus der alten Geschichte.
Diese sind ein unvergängliches Stück hebräischer Dichtung und eine unversiegbareQuelle des Trostes für jedes gläubige Gemüt.
Sein Sohn Salomo (seit 1015) erbaute den prachtvollen Tempel inJerusalem, zu dem schou sein Vater den Plan entworfen und einen Teil der Mittelgesammelt hatte. Durch seinen Kunstsinn und seine Weisheit war er weitberühmt.Die ihm zugeschriebenen Sprüche stammen jedoch zum Teil aus einer späteren Zeit.Vom Glück geblendet versank er in Sinncnlnst und Weichlichkeit und beging eine Torheitnach der andern. Seine Prachtliebe legte dem Volke ünerschwingliche Opfer anst'und die gegen Ende seines Lebens hervortretende Unzufriedenheit des Volkes zeigteschon den beginnenden Verfall.
Teilung deS Reiches. Unter seinem despotischen Sohne Rehabcam fielenmehrere Stämme ab, gründeten das „Reich Israel" mit der Hauptstadt Sichem(später Samaria) und wählten sich Jerobeam, einen Kriegsobersten, zum König.Der Rest, aus dem Gebiete der Stämme Juda und Benjamin bestehend, nannte sichdas „Reich Juda". Die Feindschaft der beiden Staaten untereinander, der Abfallvon Gott und der damit zusammenhängende Verfall der Sitten führten rasch denUntergang herbei. Vergebens bemühten sich die Propheten, durch gewaltige Straf-predigten dem Verderben Einhalt zu tun. Ihre Stimmen verhallten wirkungslos.Selbst einige fromme Könige in Juda, wie Hiskia, Josia u. a., vermochten nichtden Niedergang aufzuhalten. Im Jahre 722 v. Chr. kam das Reich Israel in dieGewalt des Königs L>almanassar von Assyrien, und 588 machte Nebukadnezarvon Babylon auch dem Reiche Juda ein Ende. Die wohlhabenderen Einwohnerwurden nach Mesopotamien verpflanzt, und nach Kanaan zogen Kolonisten ausAssyrien und Babylon. Erst unter Cyrus von Persien (Kares) wurde den Judendie Rückkehr gestattet. Unter Führung Serubabels und Josuas, später Esras undNehemias zog das Volk zurück und begann Jerusalem und den Tempel wieder auf-zubauen (536 v. Chr.). Sie hatten dabei fortwährend mit den im Lande Zurück-gebliebenen zu kämpfen, die an dem Bau des Tempels sich zu beteiligen wünschten.Die Zurückgekehrten aber wollten keine Gemeinschaft haben mit denen, die mit denHeiden sich vermischt hatten und vom Gesetz Moses abgefallen waren. Aber die Zeitdes Judentums war vorüber. Alexander der Große vereinigte Palästina (330 v. Chr.)mit seinem Weltreich. Nach seinem Tode kam Palästina an Ägypten. Viele Judenwanderten ans und ließen sich in Ägypten, Kleinasien und Griechenland nieder.Antiochus Epiphanes von Syrien ließ den Tempel plündern und Tausende vonJuden ermorden. Er errichtete heidnische Altäre und zwang die Einwohner zumGötzendienst. Dies veranlaßte eine Empörung. Unter Führung der heldenmütigenFamilie der Makkabäer warfen die Juden das syrische Joch ab und erlangten fürkurze Zeit nochmals ihre Selbständigkeit. Zuletzt kamen sie unter die Herrschaft derRömer. Unter Kaiser Augustus wurde in Bethlehem der Weltheiland JesusChristus geboren. Als die Juden gegen die Römer sich empörten, zog 67 n. Chr.Vespasian mit einem Heere heran, um die Ordnung wiederherzustellen. Statt Ves-pasians, der inzwischen Kaiser geworden war, setzte sein Sohn Tiius den Kampf fort.Jerusalem wurde (70 n. Chr.) nach hartnäckigein Widerstand erobert und zerstört.Was von den Einwohnern nicht umgekommen war, wurde in alle Welt zerstreut.
4. Assyrer und Maöylomer.
Das Land. Die Geschichte dieser Reiche, die jahrhundertelang nach- undnebeneinander bestanden, ist zum Teil dunkel und sagenhaft. Das Hauptland wardas Gebiet des Euphrat und Tigris. Der südliche, mehr ebene Teil, durch künstlicheSeen und Kanäle bewässert und deshalb sehr fruchtbar, war Babylon mit dergleichnamigen Hauptstadt am Euphrat. Dazu gehörte wohl auch „das Land zwischenden Strömen,^ von den Griechen Mesopotamien genannt. Östlich vom Tigrisdehnte sich Assyrien aus, ein rauhes Bergland mit fruchtbaren Tälern und Ebenen.Hauptstadt war Ninive am Tigris.