Das mazedonische Weltreich. Alexander der Große. 17
sich Alexander nach Medien, um Darms gefangen zn nehmen. Heiß brannte dieSonne. Einige Soldaten hatten von weither sich Wasser geholt und boten deniKönig einen Trunk. Da er aber die Reiter um sich her die Köpfe hängen sah, goßer das Wasser aus mit den Worten: „Wenn ich allein trinken wollte, würden dieseden Mut verlieren!" Die Reiter, durch dieses Beispiel von Entsagung ermutigt,riefen: „Wir sind nicht ermattet, wir haben keinen Durst! Ja, wir sind nicht sterb-lich, solang wir einen solchen König haben!" So kamen sie den Verfolgten immernäher. Der Vortrab erreichte bereits die Hütte, in der Darms mit seinen Begleiternnachts vorher geruht hatte. Trotzdem gelang es Alexander nicht, Darms lebend inseine Gewalt zn bekommen. Als nämlich Bessns, ein Statthalter Darms', erkannte,daß sie Alexander nicht entgehen könnten, bemächtigte er sich seines Herrn undlötete ihn. Alexander weinte an der Leiche seines Feindes, breitete seinen Manteldarüber und ließ sie mit königlichen Ehren bestatten. Den Mörder aber ließ eraus Kreuz schlagen.
Zug nach Zndicn. Alle diese Erfolge reichten nicht hin, um Alexanders Ehr-geiz zu befriedigen. Immer weiter nach Osten ging sein Streben. Darüber entstandUnzufriedenheit unter seinen Truppen, die in ihre Heimat zurückkehren und ihre Beutein Ruhe verzehren wollten. Das Haupt der Unzufriedenen war Alexanders FreundPhilotas, der Sohn Parmenios. Rücksichtslos opferte er beide seinem Ehrgeiz,indem er sie töten ließ. Alexander überschritt jetzt den Indus und besiegte den Jndier-fürsten Porns, der ihni mit einem großen Heer und 300 Elefanten entgegengezogenwar. Nach diesem Siege gönnte er seinem Heere Rast. Er veranstaltete glänzendeOpfer und ließ die Gefallenen ehrenvoll bestatten. — Aber die Geduld des Heereswar erschöpft. Vergebens schilderte er den Feldzug nach dem Ganges in den glühend-sten Farben, vergeblich bemühte er sich, bei seinen Widerwilligen Soldaten die frühereBegeisterung zn erwecken. Sie ließen sich nicht mehr umstimmen. Da ließ Alexander,zum Zeichen, wie weit er vorgedrungen sei, zwölf Altäre errichten und trat den
Rückzug an. Die Hälfte des Heeres ließ er zu Schiff nach Babylon führen; er
selber schlug mit der anderen Hälfte den Landweg ein. Ungeheuer waren die Be-schwerden in der unwirtlichen Gegend. Mehr als die Hälfte des Heeres fiel der
glühenden Sonne und dem Wassermangel zum Opfer. Nur ein geringer Teilerreichte Babylon. Diese Stadt sollte der Mittelpunkt des geplanten Weltreicheswerden. Alexander hatte die Absicht, griechische Bildung mit asiatischer Pracht zuverschmelzen und führte deshalb persische Sitten und Gebräuche ein. Er hatte sichmit einer vornehmen Perserin verheiratet und 15000 mazedonische Jünglinge ver-anlaßt, ein Gleiches zu tun. „Feste und Gelage folgten sich ohne Unterbrechung, undüberall herrschte Pracht und Üppigkeit. Schmeichler verdarben Alexanders Charakterund überzeugten ihn in einer Weise von der Erhabenheit seiner Person, daß erkeinen Widerspruch mehr ertrug.
Die Ermordung des Klitus. Einst bei einem Festmahle hatten SchmeichlerAlexanders Lob bis zum Himmel erhoben. Sein Freund Klitus, der ihm am Granikusdas Leben gerettet hatte, sprang vom Wein erhitzt auf und rief: „Alexander hat dieseTaten nicht allein getan. Die Mazedonier haben das meiste vollbracht!" Man brachteden Trunkenen aus dem Zimmer. Da kam er durch eine andere Tür wieder hereinund rief, den rechten Arm erhebend: „Dieser Arm hat Alexander gerettet!" Blind vorWut entriß Alexander der Wache die Lanze und durchstach den Unvorsichtigen. Kaumwar die Tat geschehen, so war Alexanders Zorn und Rausch verflogen. Er wollteweder essen noch trinken und lag drei Tage weinend auf seinem Lager. Nur derDrang der Geschäfte entriß ihn seinem Schmerze.
Ende des mazedonischen Weltreichs. Große Pläne beschäftigten Alexander inBabylon. Aber infolge der ununterbrochenen Aufregung und der üppigen Lebens-weise wurde er Plötzlich krank. Die Krankheit verlief rasch. Die Soldaten wolltenihn noch einmal sehen. Während sie einzeln vorüberschritten, grüßte er noch jedenmit Blicken und mühsamer Bewegung des Kopfes. Aus die Frage, wer sein Nach-folger sein solle, antwortete er: „Der Würdigste". Er starb 328 v. Chr., nicht ganz
Geschichte. (Emil Noth in Gießen.) 8. Aufl. ^ 2