Die Römer. (Die Könige.)
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der anfangs aus 100, später aus 300 Mitgliedern bestand. An der Spitze standein aus Lebenszeit erwählter König. Seine Würde wurde durch zwölf Liktoren an-gedeutet, die ihm Rutenbündel mit einem Beile vorantrugen.*) Der erste KönigRomulus starb 37 Jahre nach Gründung der Stadt. Nach ihm regierten noch sechsKönige (bis 509), die sich bemühten, ihre Herrschaft immer weiter auszudehnen.Tarquinius Superbus, der letzte König, erbaute die Burg von Rom, dasKapital. Er war stolz und grausam und deswegen beim Volke nicht beliebt.Als sein Sohn gegen eine edle römische Frau sich eine Freveltet erlaubte, bracheine Empörung aus. Tarquinius wurde mit seinem ganzen Hause verbannt undRom zur Republik erklärt. Die Regierung führten zwei Konsuln, darunter derFührer des Ausstandes, Junins Brutus. Ihm zu Ehren hat der Monat Juniseinen Namen.
Horatius Cocles. Der vertriebene König suchte mit Hilfe des Königs Porsennavon Clusium seine Herrschaft wiederherzustellen. Schon hatte Porsenna die Burg ausdem rechten Ufer des Tiber eingenommen. Da verteidigte ein Jüngling, Horatius, dieBrücke so heldenmütig, daß sie hinter ihm abgebrochen werden konnte. Hierauf stürzte ersich in den Fluß und erlangte das linke Ufer. Er verlor dabei ein Auge und erhielt des-wegen den Ehrennamen Cocles, d. i. Einauge.
Mucius Scävola. Ein zweiter römischer Jüngling, Mucius, schlich sich insfeindliche Lager, um den König zu ermorden. Er irrte sich aber in der Person und erstachstatt des Königs seinen Schreiber. Er wurde ergriffen und vor den König geführt. Furcht-los sprach er: „Hunderte von Jünglingen haben — gleich mir — geschworen, dich zu er-morden. Wenn dir dein Leben lieb ist, so ziehe von bannen!" Porsenna verlangte dieNamen der Jünglinge zu wissen und drohte, ihn verbrennen zu lassen. „Mit Feuer kannstdu, o König, mich nicht schrecken", sprach der Jüngling, hielt seine rechte Hand über einKohlenbecken und ließ sie rösten, ohne eine Miene zu verziehen. Er erhielt den EhrennamenScävola, d. i. Linkhand.
Was die Tapferkeit des Feindes nicht zuwege gebracht hatte, das gelang dem Hunger.Die Stadt mußte sich ergeben, erlangte aber nach kurzer Zeit ihre Freiheit wieder, daPorsenna anderwärts geschlagen wurde.
Kämpfe der Patrizier und Plebejer. Nachdem die äußeren Feinde besiegtwaren, hörte die durch Klugheit gebotene milde Behandlung der Plebejer auf. Siemußten für die ihnen überlassenen Staatsgüter schwere Abgaben entrichten und unent-geltlich Kriegsdienste leisten, während die Patrizier von allen Lasten frei waren. Durchdie fortwährenden Kriege hatten sie vielfach die regelmäßige Bestellung ihrer Feldervernachlässigt. Da man aber auf Entrichtung der Abgaben trotzdem bestand, muhtensie Geld von den Patriziern gegen schwere Zinsen borgen. Dadurch kamen sie inimmer grüße Abhängigkeit und verlangten deshalb Erleichterung. Als man ihnendiese versagte, verweigerten sie den Kriegsdienst, zogen bewaffnet auf den nahegelegenen„heiligen Berg" und drohten, eine neue Stadt zu gründen. Mit großer Mühegelang es dem Menenius Agrippa, namentlich durch Erzählung eines Gleichnissesvon den Gliedern eines Körpers, die sich gegen ihren Magen empört hätten unddadurch selber elend zugrunde gegangen seien, das Volk zur Rückkehr zu bewegen.Aber man verstand sich erst dazu, als die Patrizier dem Volke Erleichterung seinerLasten und Wahl von Vertretern (Tribunen) zugestanden hatten, die dem Senategegenüber die Volksrechte zu wahren hätten. Zweihundert Jahre dauerten dieseKämpfe zwischen Plebejern und Patriziern, bis endlich den ersteren gleiche Rechte mitden Patriziern eingeräumt wurden.
Auswärtige Kriege. Während dieser inneren Kämpfe war Rom fast ohneUnterbrechung auch in äußere verwickelt. Numa Pompilius, der zweite König, hattedem von Romulus erbauten Janustempel die Bestimmung gegeben, daß er nur fürdie Dauer des Krieges offen, während der Friedenszeiten aber geschlossen sein solle.Bezeichnend ist, daß er in dem langen Zeitraum von 700 Jahren nur dreimal ge-
Die Littoren machten dem König beim Ausgehen Platz im Gedränge und achteten darauf, daßihm die gebührende Ehrerbi etung zuteil wurde. Auch die Vollziehung der peinlichen Strafen kam ihnen zu.
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