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Bilder aus der alten Geschichte.
schlössen werden konnte. Die wichtigsten dieser Kriege waren die mit den Galliern^den Samnitern, der Stadt Tarent und den Karthagern.
Die Gallier gehörten zu dem Stamme der Kelten, der den Südwesten von Europainnehatte. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wanderte ein Teil derselben nach Oberitalien aus.Eine Schar unter Brennus drang bis Clusium in Etrurien*) vor. Da baten die.Clusiner die Römer um Hilfe. Statt eines Heeres schickten diese eine Gesandtschaft anBrennus mit der Forderung, die Feindseligkeiten gegen ihre Bundesgenossen einzustellen.Die Gallier erklärten sich zum Frieden bereit, wenn die Clusiner ihnen einen Teil ihresüberflüssigen Ackerfeldes abtreten wollten. Die Antwort der Clusiner war ein Ausfall, andem — gegen alles Völkerrecht — auch die römischen Gesandten teilnähmen. Brennus ver-langte deren Auslieferung und zog, als man diese verweigerte, gegen Rom. An demFlüßchen Allia kam es zur Schlacht <390), in der das römische Heer vollständig vernichtetwurde. Brenuus eroberte Rom und verwandelte es in einen Schutthaufen. Nur dasKapital bot noch Sicherheit. Auch dieses wäre einmal nachts erstiegen worden, wenn nichtdas Geschrei der Gänse, die beim Tempel der Juno gehalten wurden, den eindringendenFeind verraten hätte. Schließlich erklärte Brenuus sich bereit, gegen einen Tribut von1000 Pfund Gold abzuziehen. Beim Verwiegen des mühsam herbeigeschafften Goldes be-nutzten die Gallier falsche Gewichte, was die Römer sich nicht wollten gefallen lassen. Dawarf Brennus auch noch sein Schwert in die Wagschale und rief: „Wehe den Besiegten!"Unterdessen hatte Camillus, ein früherer Senator, ein Heer gesammelt, mit dem er geradenoch zu rechter Zeit erschien. Er erklärte den abgeschlossenen Vertrag für ungültig, triebdie Gallier aus der Stadt und besiegte sie. Die zerstörte Stadt wurde an der alten Stellewieder aufgebaut.
Die Samniter waren neben den Römern das wichtigste Volk in Italien. Sie be-wohnten das Gebirgsland in Mittel- und Unteritalien. Da beide Völker nach der Ober-herrschaft strebten, so gerieten sie natürlich miteinander in Streit. Diese Kriege dauerten70 Jahre und endeten mit der Unterwerfung der Samniter.
Tarent in Unteritalien war eine griechische Kolonie. Die Tarentiner hattendie Samniter in ihrem Kampfe gegen Rom mit Geld unterstützt. Diese Hilfe war denSamnitern später entzogen worden. Dafür hatte Rom versprochen, mit seiner Flotte niedas äußerste Vorgebirge Italiens im Südwesten zu umschiffen. Infolge eines Sturmeslief trotzdem <284) eiue kleine römische Flotte in den Hafen von Tarent ein. Die Taren-tiner nahmen zwei Schiffe weg, vernichteten vier, der Rest entkam. Als nun die RömerGenugtuung verlangten, wurden ihre Gesandten schmählich verhöhnt. Nun blieb denRömern nichts übrig, als gegen Tarent zu Feld zu ziehen. Da die Tarentiner ein aus-reichendes Heer nicht besaßen, so riefen sie den König Pyrrhus von Epirus zu Hilfe.Dieser kam mit 25000 Mann und 20 Elefanten. Nach tapferer Gegenwehr wurden dieRömer bei Heraklca geschlagen <280). Voll Bewunderung der römischen Tapferkeit riefPyrrhus aus: „Mit solchen Soldaten wäre die Welt mein; und sie gehörte den Römern,wenn ich ihr Feldherr wäre!" Jetzt gedachte Pyrrhus, die Römer zum Frieden geneigtzu finden und sandte seinen Freund Kineas, einen ausgezeichneten Redner, nach Rom.Die Not und Kineas' schmeichelnde Beredsamkeit schienen den Senat zum Friedensschlußgeneigt zu machen. Da rief der blinde Appius Claudius: „Ich habe mich bei denGöttern beklagt, daß sie mich blind werden ließen; jetzt danke ich ihnen dafür. Ich wollte,sie hätten mich auch taub werden lassen, damit ich solche Schande nicht hätte hören müssen.Nie machten unsere Väter auf solche Weise Frieden. Wo Not und Gefahr am größtenwaren, da zeigten sie ihren Heldenmut und ihre Ausdauer am glänzendsten, und so wurdensie groß!" Nach solcher Rede mußte Kineas unverrichteter Sache heimkehren. Er meldetedem Pyrrhus: „Rom kam mir vor wie ein Tempel, und der Senat schien mir eine Ver-sammlung von Königen zu sein." Die Römer sandten den Konsul Fabricius zu Pyr-rhus, um die Gefangenen auszulösen... Pyrrhus sparte kein Mittel, Fabricius für seinePläne zu gewinnen, aber umsonst. Ein Überläufer erbot sich, den Pyrrhus zu vergiften, wennman ihm einen guten Lohn zusichere. Fabricius ließ aber den Meuchelmörder gebunden zuPyrrhus führen. Da rief der König voll Bewunderung: „Fabricius ist schwerer vom Pfadder Tugend als die Sonne aus ihrer Bahn zu lenken." Der Krieg begann im nächstenFrühjahr aufs neue. Pyrrhus siegte abermals. Aber seine Verluste waren so bedeutend,daß er ausrief: „Noch ein solcher Sieg, und wir sind verloren!" Da jetzt gerade dieSyrakuser seine Hilfe gegen die Karthager anriefen, so setzte er nach Sizilien über und
*) DaS heutige Toskana,