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Bilder aus der alten Geschichte.
und blühend wurde und bald die griechischen Kolonien in Spanien verdunkelte. Diesebangten für ihre Unabhängigkeit. Sagunt (nördlich von Valencia) schloß deshalb einBündnis mit den Römern, die ohnehin bereits anfingen, aus die wachsende Macht Karthagoseifersüchtig zu werden. Man nötigte Hasdrubal zu einem Vertrag, wonach die Kar-thager den Ebro nicht überschreiten und die Freiheit Sagunts nicht gefährden sollten.
Nach Hasdrubals Ermordung erlangte den Oberbefehl der 23jährige Hannibal,Hamilkars Sohn. Schon in frühester Jugend war sein Herz von glühendem Haß gegen dieRömer erfüllt. Er suchte nach einem Anlaß zum Kriege mit Rom und fand ihn leicht. Erbelagerte Sagunt, das nach acht Monaten in seine Gewalt kam (219). Die Römer verlangtennun feine Auslieferung und erklärten, als diese verweigert wurde, Karthago den Krieg.Die Römer gedachten, ein Heer nach Spanien, ein zweites nach Afrika zu senden. Davereitelte Hannibal durch ein kühnes lMternehmen ihren ganzen Plan. Er übertrug dirVerteidigung Spaniens feinem Bruder Hasdrubal, überschritt dann die Pyrenäen und dieAlpen (kleinen St. Bernhard) und stand plötzlich mit 3l) 000 Mann in Oberitalien. Dierömischen Armeen, die man ihm entgegensandte, wurden geschlagen, am entscheidendsten beiCannä (216). Aber nie waren die Römer größer als im Unglück. Alle Waffenfähigen,selbst Jünglinge unter 17 Jahren, wurden zu den Waffen gerufen und der Kampf vonneuem begonnen. Claudius Marcellus erlangte einen Vorteil über Hannibal und-ftellte damit das Selbstvertrauen bei den Römern wieder her. Anders die Karthager. VonNeid und Parteisucht verblendet, ließen sie ihren siegreichen Feldherrn ohne Unterstützung.Er konnte sich daher nur auf die Verteidigung beschränken. Sein Bruder Hasdrubal, dener zu seiner Verstärkung aus Spanien herbeirief, wurde geschlagen. Cornelius Scipio,der später den Ehrennamen Afrikanus erhielt, setzte nach Spanien über und eroberte Neu-Karthago. Sodann wandte er sich nach Afrika. Jetzt rief man Hannibal aus Italien zuHilfe. Aber es war zu spät. In der ersten Schlacht wurde er besiegt und damit derzweite Punische Krieg beendet. Die Friedensbedingungen waren noch härter als vor vierzigJahren. Karthago blieben nur seine Besitzungen in Afrika, es mußte seine Flotte bis auf10 Schiffe abtreten, 59 Jahre lang je 200 Talente*) Silber entrichten und sollte ohneZustimmung der Römer keinen Krieg führen dürfen.
Untergang, Karthagos. Der fernere Bestand Karthagos hing jetzt nur noch vondem Wohl- oder Übelwollen Roms ab. Als die Stadt unter Hannibals weiser Ver-waltung wieder aufzublühen begann, mußte dieser — von dem Hasse der Römer verfolgt —seine Vaterstadt vorlassen. Er floh nach Kleinasien, um nicht in die Hände seiner Feindezu kommen. Als ihn die Römer auch hier verfolgten, nahm er Gift. Karthago war sosehr ein Gegenstand des Neides und der Furcht für die Römer geworden, daß der alteSenator Cato jede seiner Reden mit den Worten schloß: „Karthago muß zerstört werden".Als ein mit den Römern verbündeter König von Numidien (in der Gegend des heutigenAlgier) den Karthagern ohne Grund eine mit Gärten und Landhäusern geschmückte Gegendin der Nähe ihrer Stadt wegnahm, griffen sie zu den Waffen (149). Jetzt riefen dieRömer, der Friede sei verletzt, und schickten sofort ein Heer nach Afrika hinüber. Um ihreFeinde zu versöhnen, erklärten sich die erschreckten Karthager zu allem bereit. Sie stellten300 Geiseln aus den edelsten Familien und lieferten alle Waffen und Kriegsvorräte ab.Nachdem dies alles geleistet war, verlangte man Zerstörung der Stadt und Ansiedelungder Bewohner mehr im Innern des Landes. Da ergriff Verzweiflung die Bewohner.Man beschloß, lieber zu sterben, als solche Schmach zu erdulden. Zwei Jahre widerstanddie Stadt dem Andringen des Feindes. Erst im dritten Jahre eroberte sie der jüngereScipio und machte sie dem Erdboden gleich (146). Ihr Gebiet wurde unter dem NamenAfrika eine römische Provinz.
Roms Entartung. Bürgerkriege. Ten großen Kämpfen gegen Karthago,welche die Römer zuerst über ihre natürliche Grenzen hinausgeführt hatten, folgte eineReihe von Kriegen gegen andere Völker. Bald waren Griechenland und Mazedonienunterworfen, Kleinasien, Syrien und Spanien folgten nach. Aber diese vielen Siegebrachten, kein Glück für Rom. Mit den Erzeugnissen und Schätzen der halben Weltzogen Üppigkeit, Habsucht und Herrschsucht in Rom ein. Die Bürgertugenden, dieeinst Rom groß gemacht hatten, schwanden immer mehr. Jeder neue Sieg steigertedie Sittenverderbnis. Die Vornehmen bereicherten sich als Statthalter der erobertenProvinzen, gaben dem Volke glänzende Schauspiele und wußten durch Bestechungen
1 Talent etwa 4200 Mark.