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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Die Römer. (Bürgerkriege.)

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es dahin zu bringen, daß die einträglichsten Ämter in ihren Familien so gnt wieerblich wurden. Daneben schmachtete das niedere Volk in Armut, und Millionenvon Sklaven wurden mit unmenschlicher Grausamkeit behandelt.

Sklaveuwesen. In manchen vornehmen Häusern sand man mehrere hundert Sklaven.Diese mußten sämtliche Arbeiten im Hause verrichten.und das Feld bestellen. Andere warenHandwerker, nicht selten auch Erzieher der Kinder. Die Behandlung der Sklaven war einegeradezu unmenschliche. Es wird ein Fall erwähnt, wo ein Herr seine Sklaven um ge-ringer Ursache willen in Stücke hauen und mit deren Fleisch seine Fische füttern ließ.Besonderes Vergnügen sand man daran, Sklaven oder Kriegsgefangene sich gegenseitigtöten zu lassen. Man gab den Kämpfenden einen Dolch, eine Lanze oder ein Schwertund trieb sie mit Peitschenhieben gegeneinander (Gladiatoren). Anfangs fanden diese Kämpfeauf dem Markt, später in einem besonderen Gebäude, dem Kolosseum, statt. Ringsumsaßen Tausende von Zuschauern in weißen Kleidern und mit Kränzen auf dem Haupte.Noch später brachte man auch reißende Tiere auf den Kampfplatz. Wieviel Menschen aufdiese Weise geopfert wurden, ist schwer zu sagen.

Edle Männer, wie der strenge Cuto und die Brüder Grachus, die in derEntartung der Sitten und in der rücksichtslosen Unterdrückung der Armen den Ansangzum Untergang der Republik erkannten, bemühten sich vergebens, durch Sittenstrengeund gerechtere Verteilung des Staatsvermögens dem Verderben entgegenzuwirken.Der Staat wurde immer mehr die Beute seiner Feldherren, die aus die Bestechlichkeitdes Volkes vertrauten.

Marius, das Haupt der Volkspartei, der durch Besiegung der Cimbernund Teutonen sich einen berühmten Namen erworben hatte, lieferte seinem GegnerSulla blutige Schlachten in den Straßen Roms. Das Kriegsglück wechselte, unddie Sieger würgten unbarmherzig die Bürger der anderen Partei. Die AchtungenSullas, der sich zum Diktator (Alleinherrscher) aufschwang, raubten mehr Menschendas Leben als die blutigste Schlacht.

Das erste Triumvirat. Julius Cäsar. Unter den Anhängern Sullas warPompejus, der durch glückliche Kriegstaten sich einen großen Namen erworbenhatte. Fünfzehn Reiche hatte er den Römern unterworfen, darunter auch das jüdischeLand. Diese Reiche wurden sogenannten Landpflegern unterstellt und mußten denRömern Zins zahlen. Nur zwei Männer waren vorhanden, die Pompejus dieHerrschaft streitig machen konnten: Crassns, der in grausamer Weise einen gefähr-lichen Stlavenaufstand unterdrückt hatte, und Julius Cäsar. Diese drei verbandensich enger miteinander, um sich in der Erstrebung ihrer ehrgeizigen Pläne zu unter-stützen. Pompejus eignete sich die Statthalterschaft über das reiche Spanien an.Crassus übernahm die Verwaltung der Provinz Syrien, kam aber in einem Kriegemit den Parthern um. Julius Cäsar wurde Konsul und erhielt die Provinz Gallien,die er in acht Jahren unterwarf.

Julius Cäsar war der Neffe des berühmten Marius. Er war erst 16 Jahrealt, als er seinen Vater verlor. Seine Mutter Aurclia hatte ihm eine ausgezeichnete Er-ziehung geben lassen. Er war heiter und liebenswürdig im Umgang und besaßeine herz-gewinnende Beredsamkeit. Von Natur schwächlich, wußte er durch anhaltende Übung imLaufen, Ringen, Reiten und Schwimmen, sowie durch eine mäßige Lebensweise seinenKörper in einer Weise abzuhärten, daß er später alle Anstrengungen mit Leichtigkeit ertrug.Sulla, der Gegner seines Oheims, sagte einmal von ihm:In diesem Knaben steckt mehrals ein Marius!" Als er einst nach Rhodus fuhr, wurde er von Seeräubern gefangengenommen. Sie verlangten von ihm 20 Talente als Lösegeld.Was", rief er aus,nur20 Talente für einen Mann wie ich? Ich will euch 50 Talente geben!" und sandte seineBegleiter fort, das Lösegeld zu holen. Während der Zeit lebte er unter den Räubern nichtwie ein Gefangener, sondern wie ein König. Wenn er schlafen wollte, gebot er Ruhe,und seine Wächter gehorchten. Wenn er denselben seine Gedichte vorlas, so mußten sie die-selben bewundern, und wenn sie lachten, dann drohte er:Wartet nur, wenn ich frei bin,lasse ich euch alle ans Kreuz schlagen!" Endlich kam das Lösegeld, und Cäsar war frei.Das erste, was er tat, war, sich einige starkbemannte Schiffe zu verschaffen. Mit dieseneilte er den Räubern nach, nahm ihnen das Geld wieder ab und ließ sie an der KüsteKleinasiens kreuzigen.