Buch 
Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
Entstehung
Seite
39
JPEG-Download
 

Ausbreitung des Christentums. Bonifatius.

39

Bedrängnis wandte dieser sich an Pipin. Zweimal zog Pipin init starker: Heerenüber die Alpen und zwang den Longobardenkönig, nicht nur das Gebiet von Romunangetastet zu lassen, sondern das Eroberte wieder herauszugeben. Dieses schenktePipin dem Papste und legte damit den Grund zu dem Kirchenstaat, der bis 1870 bestand.

7. Ausbreitung des Eßristeutums. Bonifatius.

Die ersten Glanbensbotcn. Während im westlichen Asien und irr Nordafrikadas Christentum durch den Islam verdrängt wurde, breitete es sich unter den germa-nischen Völkern immer weiter aus. Schon während derVölkerwanderung hatten Goten, Franken und Lango-barden das Christentum durch die Römer kennen ge-lernt. Seit Anfang des siebenten Jahrhunderts zogengottbegeisterte Männer aus England, Irland und demlinksrheinischen Franken in die Wälder des innernDeutschland, um den Heiden das Evangelium zu predigen.Am Bodensee und am Oberrhein traten Columban,Gallus und Fridolin auf, bei den Franken amMain Kilian und bei den Bayern Emmeran. Sietauften die Bekehrten, gründeten Kirchen, Klöster undSchulen, förderten den Ackerbau und gewöhnten dieBewohner an regelmäßige Beschäftigung.

Bonifatius. Winfried mit dem KlosternamenBonifatius (d. h. Wohltäter) entstammte einer reichenund angesehenen Familie Englands. Schon frühewidinete er sich dem geistlichen Stande in der Absicht,später als Missionar zu den Heiden zu ziehen. Zuersttrat er unter den Friesen auf, hatte hier aber wenig Er-folg. Später ging er zu den Thüringern und Hessen.Er gründete Kirchen, Klöster und Bistümer (Würzburg,Eichstätt u. a.). Später ernannte ihn der Papst zumErzbischof von Mainz. Als 74 jähriger Greis legteer diese Würde nieder, um nochmals zu den Friesenzu gehen. Hier fand er am 1. Juni 755 den Märtyrer-tod. Seine Gebeine ruhen im Dom zu Fülda.

Bonifatius-Denkmal in Fulda.

Die Donareiche bei Geismar. Bei Geismar in Hessen stand eine riesige Eiche,die dem Donar geweiht war. Nachdem Bonifatius den Heiden den wahren Gott ver-kündigt hatte, befahl er seinen Genossen, die Eiche zu fällen. Stumm vor Entsetzenschauten die Heiden auf ihr Beginnen. Sie hofften, daß ihr Gott den Frevel an seinemHeiligtum durch einen zermalmenden Blitz rächen werde. Als dies nicht geschah, dieEiche vielmehr unter donnerndem Krachen zusammenstürzte, da war es um den heid-nischen Glauben geschehen. Viele ließen sich taufen, und aus dem Holz der Eichewurde ein Kirchlein zu Ehren des Apostels Petrus erbaut.

DaS MöuchSwesen. Schon im dritten Jahrhundert gab es unter den Christeneinzelne fromme Gemüter, welche Entfernung von der Welt, Entsagung und anhaltendesGebet als das sicherste Mittel erachteten, zur Vereinigung mit Gott zu gelangen. Siezogen sich in die Einsamkeit zurück und führten ein entsagungsvolles, beschaulichesLeben. Man nannte sie Mönche (von irronaotri, d. i. Einsamlebende). Der erste bekannteEinsiedler war Antonius von Theben, der in der Wüste zwischen Nil und Rotem Meerlebte. Sein Beispiel fand viele Nachahmer. Später vereinigten sich mehrere derselben, umnach einer gemeinsamen Regel zu leben. So entstanden die Klöster (von vlaustruin,d. i. ein abgeschlossener Raum). Von Ägypten verbreitete sich das Mönchswesen auchüber die anderen Länder der Christenheit. Der Stifter des abendländischen Mönchs-wesens war Benedikt von Nursia, der 509 auf dem Monte Casino bei Neapeldas erste Benediktinerkloster stiftete. Der Orden der Franziskaner wurde vonFranz von Assist bei Spoleto und der der Dominikaner oder schwarzen Mönche zu