Heinrich IV. und Papst Gregor VII.
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sah, seinen Günstling zu entlassen. Um den König, der sich gerne im Kreise seiner Alters-genossen srei und ungebunden bewegte, an ein geregeltes Leben zu gewöhnen, nötigte manihn, sich mit der edlen Berta von Turin zu verheiraten. Die schlimmen Ersahrnngenseiner Jugend und dieser Zwang erzeugten in seiner Seele Mißtrauen und Verstellungund erfüllten ihn mit Abneigung gegen seine Gemahlin. Trotzdem blieb ihm diesedurch ihr ganzes Leben eine treue und liebevolle Gattin und stand ihm in dentrübsten Stunden seines Lebens aufopferungsvoll zur Seite.
Kämpfe mit den Sachsen. Heinrich, einmal zur Selbständigkeit gelangt, warbemüht, die Macht der Krone zu stärken, und der Überhebung der Vasallen entgegen-zutreten. Namentlich waren ihm die Sachsen verhaßt, die ihre frühere Machtstellungnicht vergessen konnten und mit Neid auf den fränkischen Herrscher blickten. Er setztedrei ihrer Fürsten ab, erbaute Zwingburgen in ihrem Lande und drückte das Volkaufs härteste. Die unerschwinglichen Lieferungen für den königlichen Hofhält undder Übermut, mit dem die Umgebung des Königs das Sachsenvolk behandelte,führten schließlich zur Empörung. 60000 Sachsen rückten vor die feste Harzburg,wo Heinrich mit seinen jugendlichen Genossen sich aufhielt, und verlangten von ihmNiederreißung seiner Burgen und Zurückgabe ihrer alten Freiheiten. Nur durcheilige Flucht vermochte Heinrich sich der Rache des erbitterten Volkes zu entziehen.Die Harzburg wie die übrigen Köuigsschlösser wurden zerstört und selbst die Kirchenund Grüfte nicht geschont. Eine von dem König versuchte Ausgleichung kam beider Erbitterung der Sachsen nicht zustande. Da rief Heinrich zu den Waffen. Beiseiner getreuen Stadt Worms sammelte er ein Heer, mit dem er die Sachsen nachheißem Kampfe bei Langensalza besiegte. Schwer empfand nun das sächsische Volkdie Rache des Siegers. Obwohl die Sachsen sich ergeben hatten und um Gnadestehlen, ließ Heinrich doch —. wider die gegebene Zusage — Tausende in die Ver-bannung führen. Da rief das aufs äußerste gebrachte Volk den Papst um Hilfe an.Der König stand damals auf der Höhe seiner Macht. Als deshalb der Papst ausseiner Zurückhaltung heraustrat und eine Sprache führte, die Heinrichs Zorn reizte,dünkte es diesem ein Leichtes zu sein, auch diesen Widerstand zu besiegen. Aber hierfand er einen ebenbürtigen Gegner.
Gregor VII. war aus einer Bauernfamilie in Toskana hervorgegangen. SeineErziehung erhielt er durch einen Oheim, den Abt eines Klosters in Rom. Schon als
Mönch leuchtete er durch Scharfsinn, Sittenreinheitund Strenge gegen sich selbst hervor. Fünf Päpstennacheinander war er vertrauter Ratgeber und übtedurch die Überlegenheit seines Geistes großen Einfluß.Nachdem er selber den päpstlichen Stuhl bestiegenhatte, war sein ganzes Streben darauf gerichtet, dieEinheit und Reinheit der Kirche wiederherzustellenund sie von der weltlichen Gewalt vollkommen un-abhängig zu machen. Um die Geistlichen von allerVerbindung mit der Welt abzulösen und einzigan die Kirche zu binden, wiederholte er das Ver-bot der Simonie und führte die Ehelosigkeit derPriester ein. Durch seine Anordnung, daß diePäpste nicht mehr vom römischen Volke und derGeistlichkeit, sondern von dem Kollegium der Kar-dinäle zu wählen seien, entzog er dem Kaiser allenEinfluß auf diese Wahl. Seither hatte der KaiserPapst Gregor VII. die Bischöfe und Äbte mit ihren weltlichen Be-
sitzungen belehnt und der Papst sie sodann fürihr geistliches Amt geweiht. Nun beanspruchte der Papst für sich allein das Rechtder Investitur, d. h. der Belehnnng der Bischöfe rc. mit Ring und Stab, und diesesollten die Belehnnng mit dem weltlichen Besitz in sich schließen. Gregors Be-
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