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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

strebungen weckten überall, nicht am wenigsten unter den Geistlichen, Unzufriedenheit,ja selbst Empörung. Aber unbeugsam blieb er bei dem, was er sich vorgesetzt hatte,und besiegte schließlich alle Hindernisse.

Kämpfe zwischen Kaiser und Papst. Heinrich kümmerte sich nicht um dasVerbot der Investitur. Nach wie vor besetzte er Bistümer und Abteien nach freiemWillen. Der Papst ließ dies anfangs geschehen. Als aber die hartgedrückten Sachsenseine Hilfe anriefen, da ließ er dem König durch eine Gesandtschaft verkünden, wenner bis zur nächsten Fastenzeit nicht Beweise seiner Sinnesänderung gegeben und Bußegetan habe, so sei man genötigt, ihn aus der kirchlichen Gemeinschaft auszuschließen.Heinrich empfing die päpstliche Gesandtschaft in Goslar und entbrannte im hellenZorn, da er ihre Botschaft vernahm. Er berief ein Konzil nach'Worms, an demaußer den Erzbischöfen von Mainz und Trier 24 deutsche Bischöfe, viele Abte undeine beträchtliche Zahl deutscher Fürsten teilnahmen. Hier wurde Gregor VII. abgesetzt.Heinrich schrieb ihm dies in einem Briefe, der die Aufschrift trug:Heinrich, durchGottes heilige Einsetzung König, an Hildebrand, nicht den Papst, sondern den falschenMönch". Der Papst erklärte die Beschlüsse der Wormser Synode für ungültig, weilnur der Papst das Recht habe, eine Kirchenversammlung zu berufen. Er belegteHeinrich mit dem Bann, entsetzte ihn seiner Würde und entband alle Untertanen vondem geleisteten Eid der Treue. In Deutschland predigten Mönche von der Machtdes apostolischen Stuhles und wiegelten das Volk auf gegen die simomstischen undverheirateten Priester und deren Beschützer. Bald wurde der Abfall von dem unbe-liebten König allgemein. Selbst die deutschen Fürsten traten in Tribur zusammen unddrohten, sie würden einen anderen König wählen, wenn nicht binnen Jahresfrist derBann von Heinrich genommen fei. Jetzt erst erkannte der König den Ernst feiner Lage.Er entschloß sich deshalb, nach Italien zu gehen und sich mit dem Papste zu versöhnen.Nur seine treue, von ihm so oft geschmähte Gattin und wenige Getreue begleitetenihn. Die Feinde des Kaisers suchten eine Versöhnung desselben mit dem Papste zuverhindern und bewachten deshalb die Alpenpäsfe. Aber Heinrich nahm seinen Wegüber den Mont Cenis und entging so ihren Nachstellungen. Nach unsäglichen Be-schwerden, welche der Übergang über die Alpen mitten im Winter bot, gelangten dieReisenden in die Ebene des Po. Der Papst war schon auf der Reise nach Deutsch-land begriffen, als er erfuhr, daß Heinrich nach Italien ziehe. Er nahm an, daß derKönig mit einem Heere komme, um sich zu rächen. Deshalb flüchtete er auf das festeSchloß Canosfa zu seiner Freundin, der Markgräfin Mathilde von Toskana. Hier indem Hofe der Burg stand König Heinrich drei Tage barfuß und im härenen Buß-gewande, bis ihn der Papst vom Banne löste. Aber hart war seine Bedingung:Der König solle sich aller Regierungsgeschüfte enthalten, bis auf einem Reichstageüber ihn entschieden sei (1077). Voll Ingrimm kehrte Heinrich nach Deutschlandzurück. Die ihm widerfahrene unerhörte Demütigung verschaffte ihm viele Freunde.Die Lombarden boten ihm ihren Beistand an, und auch in den rheinischen Städten,die immer treu zu ihm gehalten hatten, gewann er großen Anhang, so daß er einHeer ins Feld stellen konnte.

Rudolf von Schwaben. Die deutschen Fürsten hatten aber seine Rückkehr ausItalien nicht abgewartet, sondern ihn des Thrones entsetzt und Rudolf von Schwabenan seiner Statt zum Kaiser erwählt. Heinrich zog diesem mit einem Heere entgegen.In der Schlacht bei Merseburg wurde Rudolf durch einen Lanzenstich schwer ver-wundet und ihm die rechte Hand abgehauen. Sterbend rief er, auf seinen ver-stümmelten Arm weisend, aus:Das ist die Hand, mit der ich Heinrich Treue schwur;nun lasse ich Reich und Leben!" Das Volk aber erkannte in diesem Vorfall einGottesgericht.

Gregors Ende. Heinrich war jetzt wieder so mächtig, daß er an einen Rachezuggegen den Papst denken konnte. Er ließ auf einer nach Mainz berufenen Kirchenver-sammlung, deren Bescklüssen später auch die meisten italienischen Bischöfe beitraten, denPapst zum zweitenmal absetzen und einen anderen wählen. Hieraus zog er vor Rom.