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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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53
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Die Kreuzzüge.

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Zwei Jahre dauerte der Kampf. Endlich ermatteten die Kräfte des Widerstandes undRom ergab sich. Gregor faß unterdes wohlgeborgen hinter den festen Mauern derCngelsburg. Auch jetzt hätte Heinrich sich mit ihm verglichen, wenn der Papst bereit-gewesen wäre, ihn als rechtmäßigen König anzuerkennen und zum Kaiser zu krönen.Aber unerbittlich bestand dieser auf seiner Forderung: Heinrich müsse seine Würdeniederlegen nnd sich dem Spruch des Papstes unterwerfen. Als alle Versuche scheiterten,-erklärten die Römer, niedergebeugt durch die Leiden des Kriegs, daß sie bereit seien,den neuen Papst in ihre Mauern aufzunehmen. Da zog Heinrich in Rom ein undempfing in St. Peter durch Papst Clemens III. die Kaiserkrone (1084). Der un-beugsame Gregor wurde von den Römern in seinem Palaste belagert, aber von demMormanenherzog Robert Guiskard von Neapel und Sizilien befreit. Ein Jahr späterstarb er in Salerno mit den Worten:Ich liebte die Gerechtigkeit und haßte dasUnrecht, darum sterbe ich in der Verbannung!"

Heinrichs IV. Tod. Heinrich, obgleich durch das viele Unglück geläutert undgebessert, fand immer noch keine Ruhe. Er mußte es erleben, daß sein eigenerverführter Sohn sich gegen ihn empörte und ihn sogar gefangen setzte. Zwar entfloher der Haft, aber dies neue Leid brach ihm das Herz. Er starb in Lüttich, wo ereinen Zug gegen seinen Sohn vorbereitete (1106). Aber selbst im Tode fand erkeine Ruhe. Da er im Bann gestorben war, so blieb seine Leiche fünf Jahre un°begraben. Endlich wurde der Bann gelöst und die Leiche im Dom zu Speier feierlichbeigesetzt.

Heinrich V. lebte in Frieden mit dem Papste, solange er im Kampfe mit seinemVater lag. Kaum aber war er zur Regierung gelangt, als der Jnvestiturstreit aufsneue entbrannte. Heinrich verfuhr schonungslos mit den Statthaltern Christi undführte einmal Papst Calixtus und 16 Kardinäle gefangen aus Rom weg. Endlich kamin dem Wormser Konkordat (1122) ein Vergleich zustande. Danach sollten dieBischöfe und Abte in Gegenwart des Kaisers oder seines Stellvertreters frei gewähltund von demselben durch das Zepter mit ihren weltlichen Besitzungen belehnt werden,dagegen verzichtete der Kaiser auf die Einsetzung ins geistliche Amt. Auch bei dendeutschen Fürsten war Heinrich V. wegen der Strenge, mit der er gegen die Reichs-fürsten verfuhr, in hohem Grade unbeliebt. Er starb 1125 und liegt in Speier be-graben. Mit ihm endet die Reihe der fränkischen oder salischen Kaiser. Zu seinemNachfolger wurde nicht sein Neffe Friedrich von Hohenstausen, sondern sein GegnerLothar von Sachsen erwählt, der bis 1137 regierte.

14. Die Kreuzzüge (10951291).

Ursachen. Schon in den frühesten Zeiten des Christentums geschahen Wall-fahrten nach dem heiligen Lande. Namentlich war Jerusalem mit der von derKaiserin Helena erbauten Kirche des heiligen Grabes das Ziel vieler Pilger. Als-637 die Araber das Laird dem oströmischen Kaiser wegnahmen, gestatteten sie denChristen freien Zutritt zu den Stätten ihrer Andacht, denn auch ihnen galt Jeru-salem als heilige Stadt; auch fanden sie ihren Vorteil bei den Wallfahrten der Christen.Anders wurde es aber, als um die Mitte des 11. Jahrhunderts die Seldschuken, einroher Türkenstamm, Syrien und Palästina eroberten. Sie quälten die Christen aufjede Weise und erschwerten ihnen den Besuch der heiligen Orte.

Peter von Amiens (Amijäng), ein Einsiedler, sah solche Not der Christenund glaubte sich zur Rettung des heiligen Landes berufen. Mit Empfehlungsschreibendes Patriarchen von Jerusalem versehen, erschien er vor dem Papste Urban II. Alsdieser seine Zustimmung erteilt hatte, durchzog Peter, auf einem Esel reitend, Italienund Frankreich. In feurigen Reden schilderte er die Rot der Christen und forderteauf, das heilige Land den Händen der Ungläubigen zu entreißen. So brachte er dasganze Abendland in Bewegung, und die Begeisterung für diese heilige Sache wurdeallgemein. Urban II., dieser Strömung nachgebend, berief 1095 eine Kirchenver-sammlung nach Clermont in Frankreich. Durch eine gewaltige Rede riß er alle seine