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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

Zuhörer hm. Unter dem Rufe:Gott will es!" hefteten Tausende ein rotes Kreuzauf die rechte Schulter als Zeichen ihrer gemeinsamen Unternehmung. Die all-gemeine Begeisterung sammelte bald ungeheure Scharen aus Italien, Frankreich undDeutschland. Schon im Frühjahr 1096 setzten sich ungeordnete und schlecht bewaffneteHaufen unter Führung Peters von Amiens und Walters von Habenicht in Bewegung-Auch viele nach Beute lüsterne Abenteurer schloffen sich dem Zuge an. Sie bezeichnetenihren Weg vor allem durch blutige Verfolgung der verhaßten Juden. Bei dem Mangeljeglicher Ordnung kamen indes die meisten um, ehe sie die Küste von Kleinasien er-reichten. Der Rest wurde von den Türken aufgerieben.

Gottfried von Bouillon (Bujong). Erst im Herbste 1096 sammelte sich unterFührung des Herzog von Niederlothringen, Gottfried von Bouillon, und seinesBruders Baldnin von Flandern das Hauptheer in Konstantinopel. Aber auch hierfehlten Einheit und Plan. Unter vielen Gefahren und Entbehrungen drang dasHeer der Kreuzfahrer in Kleinasien vor und eroberte Antiochia. Kaum aberhatte das Christenheer von der Stadt Besitz genommen, als diese von einem Türken-heer eingeschlossen wurde. Die Not in der belagerten Stadt stieg durch Hunger,Krankheiten rc. aufs höchste. Immer tiefer sank der Mut der Belagerten. Da

rettete sie ein glücklicher Einfall. Ein Priester gab vor, unter dem Altar der Peters-

kirche die Lanze aufgefunden zu haben, mit welcher der römische Kriegsknecht die Seitedes Heilands durchstochen habe. Der Mut der Kreuzfahrer wurde neu belebt. Siemachten einen Ausfall, drangen mit Todesverachtung aus die an Zahl ihnen weitüberlegenen Feinde ein und schlugen sie in die Flucht. Damit war ihnen der Weg.nach Jerusalem geöffnet. Aber von 300000 Mann, welche die Heimat verlassenhatten, kamen nur 30000 streitbare Männer vor Jerusalem an. Als sie von fern

die heilige Stadt erblickten, fielen sie auf die Kniee, küßten den Boden unst

weinten vor Rührung und Freude. Nach vierwöchiger Belagerung wurde endlichdie Stadt erstürmt. Das Schwert der Christen wütete gleich furchtbar unter Türkenund Juden. Gottfried von Bouillon nahn: an dem Morden nicht teil. Barfuß und-im Bußgewande wallte er nach der Kirche zum heiligen Grabe, um zu beten. DieKreuzfahrer wählten ihn hierauf zum König von Jerusalem. Er aber sprach:Soll ich eine Königskrone tragen, wo mein Heiland eine Dornenkrone trug?" undnannte sich Beschützer des heiligen Grabes. Schon im folgenden Jahre (1100)starb er. Sein Bruder Balduin nahm hierauf den Titel eines Königs von Jeru-salem an.

Ausgang und Folgen der Kreuzzüge. Noch sechs Kreuzzüge wurden in dennächsten zwei Jahrhunderten unternommen, sechs Millionen Menschen aus dem Abend-lande kamen dabei um. Aber Verräterei der Griechen, Unbekanntschaft mit Ortund Klima, ständige Angriffe der Türken, Uneinigkeit unter den Führern wie unterden Völkern des Abendlandes vereitelten den Erfolg.

Von den deutschen Kaisern beteiligten sich an den Kreuzzügen folgende:Konrad III. unternahm mit Ludwig VII. von Frankreich den zweiten Krenzzug (1147).Ihr Heer wurde schon in Kleinasien von den Türken geschlagen und fast ganz aufgerieben.Den dritten Zug unternahm Friedrich Barbarossa mit Richard Löwenherz von Eng-land und Philipp August von Frankreich. Glücklich kam das Heer in Kleinasien anund siegte bei Jkonium, da starb Kaiser Friedrich beim Übergang über den Salevh(1190). Die meisten deutschen Kreuzfahrer gingen hierauf wieder in die Heimat zurück.Auch der König von Frankreich zog heim. Richard Löwenherz schloß mit dem ritter-lichen Sultan Saladin einen Waffenstillstand. Danach war es den Christen erlaubt,ungehindert die heiligen Orte zu besuchen. Den fünften Zug unternahm Friedrich II.(1228), obgleich er mit dem Kirchenbann belegt war. Jerusalem wurde wieder ge-nommen, und der Kaiser sehte sich selber die Kroye des Königreichs Jerusalem aufsHaupt. Schon 1244 fiel indes Jerusalem an die Sarazenen zurück. 1291 kam auchPtolomais (Akko), die letzte Besitzung der abendländischen Christenheit, wieder intürkische Hände.

Wenn auch der eigentliche Zweck der Krenzzüge nicht erreicht worden ist, sowaren sie doch in anderer Weise von den wichtigsten Folgen begleitet. Sie hoben