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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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75
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Die Reformation.

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Die 95 Sätze. Viele tadelten Tetzels Benehmen, darunter auch Or. MartinLuther. Nach der auf Hochschule» üblichen Sitte schlug er am 31. Oktober 151795 Sätzewider den Ablaß" an der Tür der Schloßkirche zu Wittenberg an. Inner-halb weniger Wochen verbreiteten sich diese Sätze über ganz Deutschland. .Leo X.wollte Luther dafür zur Verantwortung ziehen. Eine Unterredung in Augsburg mitdem Kardinal Kajetnn blieb ohne Erfolg, da letzterer auf die von Luther verlangtenGründe nicht einging, sondern einfach Widerruf verlangte. Dem päpstlichen Kammer-herrn von Miltitz gegenüber erklärte Luther sich bereit zu schweigen, wenn auch seineGegner schwiegen. Dies geschah jedoch nicht. Or. Eck aus Jngolstadt setzte denStreit fort, indem er Luther zu einer öffentlichen Disputation in Leipzig heraus-forderte. Auch diese führte zu keinem Ziele, weil vr. Eck auf die Forderung Luthers,ihn mit Gründen aus der H. L-chrift zu widerlegen, nicht einging. Da Luther zumWiderruf nicht zu bewegen war, so wurde der Bannfluch über ihn ausgesprochen.Dies führte Luther immer weiter. Indem er 1520 vor dem Elstertor in Wittenbergdie Bannbulle öffentlich verbrannte, sagte er sich vollständig von der römischen Kirchelos. Immer noch blieb Luther Augustinermönch, bis er sich 1525 mit Katharinavon Bora verheiratete.

Der Reichstag zu Worms (1521). Inzwischen war Kaiser Maximilian ge-storben und sein Enkel Karl V. zum Kaiser erwählt worden. Dieser berief einenReichstag nach Worms und lud auch Luther, unter Zusicherung freien Geleits, vordenselben. Als Luthers Freunde ihn an das Schicksal des Huß erinnerten, sprach er:Wenn sie ein Feuer machten von Wittenberg bis Worms, so wollte ich doch hin-gehen!" Kurz vor Worms warnte man ihn nochmals, da antwortete er:Wenn so-viel Teufel in Worms wären als Ziegel auf den Dächern, ich ginge doch hinein!"Auch in Worms war Luther zum Widerruf nicht zu bewegen. In längerer Redeverteidigte er seine Lehre und schloß mit den Worten:Es sei denn, daß ich durchZeugnisse aus der H. Schrift oder mit klaren hellen Gründen überwiesen werde, willich nicht widerrufen, weil es weder sicher noch geraten ist, etwas gegen sein Gewissenzu tun! Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen." Lutherund seine Anhänger wurden nun in die Acht erklärt, doch gab man ihm noch 21 Tagezur Rückreise. Einen Versuch, den Kaiser zur Zurücknahme des freien Geleits zubewegen, wies dieser zurück mit den Worten:Ich will nicht erröten wie KaiserSigismund!"

Auf der Wartburg. Auf der Rückreise wurde Luther in der Nähe vonEisenach von einigen verkappten Rittern überfallen, aus dem Wagen gerissen und aufdie Wartburg gebracht. Der Überfall war von Luthers Landesherrn und Freund,dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen von Sachsen, angeordnet worden. Indes manLuther allgemein für tot hielt, lebte er alsJunker Jörg" auf der Wartburg undbeschäftigte sich damit, die Bibel ins Deutsche übersetzen. Zuerst erschien das NeueTestament. Die Übersetzung der anderen Teile folgte später und wurde mit Hilfeseiner gelehrten Freunde im Jahr 1534 zu Ende gebracht.

Wirren. Die Bilderstürmer. Während Luther auf der Wartburg lebte, ver-anlaßte der schwärmerische 1)r. Karlstadt (eigentlich Bodenstein aus Karlstadt) allerlei Un-ordnungen. Erregte Haufen zogen auf seine Veranlassung umher, brachen in die Kirchenein, zerstörten Bilder, Altäre und Orgeln und verübten sonst allerlei Unfug. Karlstadtverwarf die Kindertaufe und bezeichnete das Studium der H. Schrift für überflüssig, weilder heilige Geist jeden erleuchten werde. Als Luther hiervon Kunde erhielt, eilte er furcht-los nach Wittenberg zurück und stellte durch sein Ansehen und seine Predigten die Ruhewieder her.

Der Bauernkrieg. Um 1525 brachen in einem großen Teile Deutschlands unterden Bauern Unruhen aus. Sie hatten Luthers Wort von derFreiheit des Christen-menschen" mißverstanden und standen in Masse auf, um die wirklichen oder vermeintlichenLasten, die sie drückten, abzuschütteln. Ihre Forderungen, die in der Hauptsache gegen dieLeibeigenschaft, den übermäßigen Zehnten, die Frondienste, die widerrechtliche Entziehungvon Holz, Wildbret n. gerichtet waren, stellten sie in zwölf Artikeln zusammen. Dieselben