Der schmalkaldische Krieg.
77
Ansicht, daß einem vom Papste geleiteten Konzil die nötige Unparteilichkeit fehle. Dabeschloß der Kaiser, Gewalt zu gebrauchen. Noch vor dem Ausbruch der Feindselig-keiten, am 18. Februar 1546, starb Luther in seinem Geburtsort Eisleben, wohinihn die Grafen von Mansfeld zur Schlichtung einer Streitigkeit berufen hatten.
Die Reformation in der Schweiz. Fast zu gleicher Zeit mit Luther trat in derSchweiz Ulrich Zwingli (geb. 1484) gegen verschiedene Lehren der Kirche auf. In denmeisten Punkten stimmte er mit Luther nberein. Nur in der Lehre vom h. Abendmahlwich er von der lutherischen Auffassung erheblich ab. Philipp von Hessen veranstaltetedeshalb ein Religionsgespräch in Marburg, um die streitenden Parteien zu ver-einigen, was aber nicht gelang. Indes einigte man sich dahin, daß man sich allezeit mitchristlicher Liebe begegnen wolle. Einige Kantone der Schweiz fielen Zwingli zu, andere,namentlich die Urkantone, verhielten sich ablehnend. Es kam zum Kampfe, an dem UlrichZwingli als Feldprediger teilnahm. Er fiel in der Schlacht bei Koppel (1531). WasZwingli begonnen hatte, das setzte Johann Calvin aus Noyon in Frankreich (geb. 1509)fort. Derselbe war um seines Glaubens willen aus seinem Vaterland vertrieben wordenund hatte in Genf Aufnahme gefunden. Die Anhänger beider nennt man Reformierte.Reformierte finden sich außer in der Schweiz im Elsaß, in der früheren Pfalz, in Frankreichund in den Niederlanden.
Gegenreformation. 1534 gründete der Spanier Jgnaz v. Loy ola den Jesuiten-orden. Derselbe sollte die aus der katholischen Kirche Ausgetretenen wieder in denSchoß der Kirche zurückführen. Seine künstliche Verfassung erhielt der Orden erstunter den späteren Ordensgeneralen. Alle Mitglieder des Ordens sind ihrem „Ordens-general" zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet. Durch Ausbreitung des Christentums inAsien und Amerika und die Tätigkeit feiner Mitglieder als Lehrer und Erzieher, Beicht-väter und — Höflinge erlangte der Orden Ansehen und Macht. Da er seinen Einflußnicht immer zu löblichen Zwecken benutzte, sank sein Ansehen in der öffentlichen Meinung.Papst Clemens XIV. sah sich deshalb veranlaßt, denselben als staatsgefährlich aufzuheben.Durch Pius VII. wurde er 1814 wiederhergestellt.
27. Der schmalkaldische Krieg (1546).
Der Feldzrrg nach der Donau. Nachdem die Protestanten die Teilnahme andem Konzil in Trient, das sie als „unfrei und parteiisch" bezeichneten, verweigerthatten, beschloß „Kaiser Karl V. gegen den schmalkaldischen Bund mit Waffengewalteinzuschreiten. Über die Häupter desselben, den Kurfürsten Johann Friedrich vonSachsen und den Landgrafen Philipp von Hessen, wurde die Reichsacht aus-gesprochen. Durch ein Bündnis mit dem Papste erhielt der Kaiser beträchtliche Hilfs-gelder, mit denen in Italien, Deutschland und den Niederlanden umfassende Rüstungenvorgenommen werden konnten. Den Kurfürsten von Bayern gewann er durch dieAussicht auf die Pfälzer Kurwürde. Die geistlichen Fürsten standen ohnedies ausseiner Seite. Außer diesen gewann er noch den bedeutendsten protestantischen Fürsten,Moritz von Sachsen, der mit seinem Vetter Johann Friedrich persönlich verfeindetwar. Den protestantischen Fürsten konnten die Rüstungen des Kaisers so wenigverborgen bleiben wie deren Zweck. Sie zogen deshalb mit 40000 Mann ins Feld.Ihr Feldherr Schärtlin von Burtenbach machte den Vorschlag, den Kaiser, dermit geringer Macht in Regensburg lag, zu überraschen und zum Frieden zuzwingen. Statt dessen zögerten sie, den Angriff auf das Reichsoberhaupt zu eröffnen.Dadurch gewann der Kaiser Zeit, eine feste Stellung in Jngolstadt einzunehmen.Die Kunde von Moritzens Verrat verbreitete Schrecken unter den Verbündeten undlahmte deren Kraft. Als Moritz nun in Sachsen eindrang und eine Stadt nachder anderen eroberte, eilte Johann Friedrich in seine Staaten zurück, und das schmal-kaldische Heer löste sich auf. Bis zum Frühjahr hatte der Kaiser ohne Schwertstreichganz Süddeutschland zur Ünterwersung gebracht.
Der Feldzng nach der Elbe. Mittlerweile hatte Johann Friedrich die Truppenseines Vetters geschlagen, sein Land wieder in Besitz genommen und sogar den größtenTeil des albertinischen Sachsens erobert. In seiner Not rief Moritz die Hilfe des