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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

Kaisers an. Dieser setzte sich, trotz seiner Gichtschmerzen, mit einem aus Spaniernund Italienern bestehenden Heere nach der Elbe in Bewegung. Johann Friedrichgedachte sich nach Wittenberg zurückziehen, wo seine zerstreuten Heerhaufen sich mitihm vereinigen sollten. Aber die kaiserliche Armee setzte an einem Sonntag, als derKurfürst sich gerade beim Gottesdienst befand, unerwartet über die Elbe und erfochtbei Mühlberg einen leichten Sieg über die Sachsen. Johann Friedrich wurde imGesicht verwundet und zum Gefangenen gemacht. Mit Seelenruhe vernahm er dasTodesurteil, das der Kaiser über ihn aussprechen ließ. Doch wagte Karl nicht, zurVollstreckung desselben zu schrecken, und verwandelte es in ewige Gefangenschaft.Johann Friedrich mußte sein Land und die Kurwürde an seinen Vetter Moritz ab-treten, weigerte sich aber standhaft, den Beschlüssen des Trienter Konzils Gehorsamzu leisten. So kam die Knrwürde von der ernestinischen Linie an die albertinische.

Philipp von Hessen, das andereHaupt des schmalkaldischen Bundes,sollte nun auch gezüchtigt werden.Moritz von Sachsen, sein Schwiegersohn,und Joachim von Brandenburg, deran dem Krieg nicht teilgenommen hatte,verwendeten sich für ihn bei dem Kaiser.Endlich erlangten sie die Zusicherung:wenn Philipp sich auf Gnade oderUngnade ergäbe, Abbitte tue und seineFestungen ausliefere, so solle er wedermit Leibesstrafen noch mit ewigemGefängnis bestraft werden". Durchmündliche Verhandlungen wurde dasnoch dahin gemildert, daß der Land-graf auch nicht mit Schmälerung seinesLandes oder mit Gefängnis beschwertwerden solle. Daraufhin erschien derLandgraf in Halle, wo das kaiserlicheFeldlager war. Hier tat er in feier-licher Versammlung fußfällig Abbitte.Von Herzog Alba zum Abendesseneingeladen, begab er sich aufs Schloß.Als er sich von hier entfernen wollte,wurde er trotz aller Einwände seinerFürsprecher festgehalten. Der Kaiserbefthönigte sein Verfahren damit, daßer den Landgrafen nicht inewiger" Gefangenschaft halten wolle. Von mündlichen Zu-sagen wollte er nichts mehr wissen. Philipp wurde nun nach Oudenarde (uhdenar) undspäter nach Mccheln (in Belgien) gebracht und fünf Jahre in strengster Haft gehalten. DieFestungen Kassel, Gießen und Rüsselsheim wurden dem Vertrag gemäß geschleift. NurZiegenhain verblieb ihm.

Der Passauer Vertrag. Der schmalkaldische Bund war aufgelöst. Nur diewohlbefestigte Stadt Magdeburg trotzte dem Kaiser. Deshalb wurde sie in die Achterklärt und Moritz von Sachsen mit deren Vollstreckung beauftragt. Dieser, derjahrelang vergeblich sich um die Freilassung seines Schwiegervaters bemüht hatte,grollte deni Kaiser, dessen steigende Macht er zugleich mit Mißtrauen beobachtete.Er verband sich deshalb insgeheim mit mehreren protestantischen Fürsten und mit demKönig Heinrich II. von Frankreich. Diesem hatte er für die zu leistende Hilfe unterVorbehalt der Rechte des Reiches gestattet, die Städte Metz, Toul und Verdun zubesetzen. Kaum war er Frankreichs sicher, so bot er Magdeburg Gnade und Religions-freiheit an und die Stadt öffnete ihm ihre Tore. Plötzlich drangen drei Heerhaufennach Süden, warfen die zerstreuten Besatzungen des Kaisers nieder und rückten inTirol ein. Die Franzosen besetzten die Stadt Metz und rückten an den Oberrhein.In größter Bestürzung löste sich das Konzil in Trient auf, und der Kaiser setzte

Philipp der Großmütige.