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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Der dreißigjährige Krieg.

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Johann Friedrich in Freiheit. Moritz hatte die Absicht, den Kaiser in Innsbruck ge-fangen zu nehmen, wurde aber daran durch eine Meuterei seiner Soldaten gehindert.Der Kaiser gewann Zeit und floh trotz seines Gichtleidens bei Nacht über die schnee-bedeckten Berge nach Villach in Körnten. Von hier aus beauftragte er seinen BruderFerdinand mit den Friedensverhandlungen, die vorläufig zmn Abschluß des PassauerVertrags (1552) führten. Die wesentlichsten Bestimmungen desselben sind: 1. DenBekennern Augsburger Konfession wird unbedingte Religionsfreiheitgewährt. 2. Die Beschlüsse des Trienter Konzils werden nicht auf dieProtestanten ausgedehnt. 3. Der Landgraf von Hessen wird in Frei-heit gesetzt. Drei Jahre später folgte der Augsburger Religionsfriede (1555).In diesem erlangten die Protestanten Religionsfreiheit und volle Rechtsgleichheit mitden Katholiken. i

Karls V. Entsagung. Karl V. war ein Regent von ausgezeichneten Eigenschaften,tapfer und tätig wie wenige. Den schönsten Tag feines Lebens nannte er mit Recht den,an dem er in Tunis 22000 Christen, die von Seeräubern dahin verkauft worden waren,aus der Sklaverei befreite. Er hatte sich keine Rast gegönnt und sah sich doch am Abendseines Lebens seinen Wünschen nicht näher. Mit Frankreich hatte er fünf Kriege geführt,um Italien und die Niederlande zu behaupten, und zuletzt hatte er drei Reichsstädte: Metz,Toul und Verdun verloren. Er wollte die Einheit der Kirche wiederherstellen und mußteim Augsburger Religionsfrieden die endgültige Trennung bestätigen. Gebeugt durch dieUnfälle des letzten Krieges und von Gicht gequält, entsagte er deshalb aller irdischenHoheit. Auf einer feierlichen Versammlung in Brüsselübergab er seinem Sohne Philipp II.die Niederlande und Spanien mit den Kolonien. Österreich aber und die Kaiserwürdeüberließ er seinem Bruder Ferdinand 1., der bereits durch Heirat und Wahl König vonUngarn und Böhmen war. Er selber zog sich in das Kloster St. Just in Spanien zurück,wo er seine Zeit zwischen Andachtsübungen und Handarbeiten teilte. Er feierte sein eigenesLeichenbegängnis und starb 1558. (Der Pilgrim von St. Just" v. Platen.)

28. Der dreißigMrige Krieg (161848).

Vor dem Ausbruch. Auch nach dem Augsburger Religionsfrieden dauerte dieSpannung zwischen Katholiken und Protestanten fort. Der Haß nahm eher zu alsab. Die Katholiken klagten, daß, gegen die Bestimmungen des Friedensschlusses, von

protestantischen Fürsten immer mehr geistliche Gütereingezogen würden, und die Protestanten, daß manihre Glaubensgenossen in katholischen Ländern ver-folge und unterdrücke. Zwar wußten die einsichts-vollen und wohldenkenden Kaiser Ferdinand I. (1556bis 1564) und Maximilian II. (156476) offeneFeindseligkeiten zu verhindern; aber unter demschwachen Rudolf II. (15761612) stieg die Er-bitterung so sehr, daß die Protestanten sich zu derUnion und die Katholiken zu der Liga zusammen-schlössen. An der Spitze der Union stand Kur-fürst Friedrich von der Pfalz; das Haupt derLiga war Herzog Maximilian von Bayern.Kaiser Rudolf wurde indes genötigt, den Protestantenin Böhmen durch den sogenannten Majestätsbrieffreie Religionsübung und das Recht, Kirchen undSchulen zu bauen, zu bewilligen. Aber schon unter seinem Nachfolger, dem KaiserMatthias (161219), kam der lange zurückgehaltene Groll zum Ansbruch.

Ausbruch des Krieges. In Böhmen wurde auf Veranlassung des Erzbischofsvon Prag eine evangelische Kirche niedergerissen, eine zweite geschlossen. Auf Be-schwerde bei dem Kaiser erfolgte eine harte Antwort. Da zogen die Mißvergnügtenunter Führung des Grafen Thnrn auf das Schloß zu Prag und warfen zwei derkaiserlichen Räte samt dem Schreiber zum Fenster hinaus. Die Protestanten fetzten

Maximilian v. Bayern.