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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Der dreißigjährige Krieg.

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ihm 20 000 Mann zugestehen wollen. Wollenstem habe jedoch entgegnen 20000 Mannkönne er nicht erhalten, wohl aber 50000. Christian IV. eröffnete im Frühjahr 1624den Feldzug gegen Lilly, ohne etwas ausrichten zu können. Als aber Wollenstemmit seinen Scharen die vom Kriege noch nicht berührten Gegenden an der Elbebesetzte, da erlangte die kaiserliche Kriegsmacht bald die Oberhand. Mansseld erlittbei Dessau eine schwere Niederlage. Verfolgt von Wollenstem zog er nach Ungarn,wo er sein Heer entließ. Mit kleinem Gefolge trat er den Rückweg an, da erlag er-den Strapazen unweit Zara in Dalmatien. Christian von Braunschweig war schonfrüher gestorben. Christian IV. wurde von Lilly bei Lütter am Barenberg (inBraunschweig) nach heldenmütigem Kampfe besiegt und bald darauf zum Frieden vonLübeck genötigt.

So war der Kaiser Herr von ganz Norddeutschland. Die Herzöge von Mecklen-burg wurden wegen ihrer Verbindung mit Dünemark in die Reichsacht erklärt undWollenstem mit ihrem Lande belehnt. Wollenstem machte von der ihm verliehenenMacht den rücksichtslosesten Gebrauch. Die Reichsversassung wurde von ihm so wenigbeachtet als die Hoheitsrechte der Fürsten. Er gedachte an der Ostsee eine Seemachtzu gründen, und begann, sich aller Küsten- und Hafenstädte zu bemächtigen. Des-halb gerieten nicht nur die Hansastädte und die Ostseestaaten, sondern auch Englandund die Niederlande in Besorgnis.

In jener Zeit gab Stralsund ein erhebendes Beispiel von Vaterlandsliebe. Stand-haft weigerte sich die Bürgerschaft, eine friedländische Besatzung in ihre Mauern aufzunehmen.Wollenstem rückte mit einem furchtbaren Heer vor die Stadt und schwur, er müsse dieStadt in seine Gewalt bekommen, undwenn sie mit Ketten an den Himmel gebunden sei".Aber alle Stürme scheiterten an der Tapferkeit der Belagerten. Von Dänemark undSchweden unterstützt, trotzte Stralsund zehn Wochen den Angriffen Wallensteins. 12000Menschen hatte der kühne Feldherr umsonst geopfert.

Wallensteins Entlassung. Inzwischen hatten sich die Klagen über Wallensteinsrücksichtslose Kriegsführung gehäuft. Auf dem Reichstag zu Regensburg verlangte

Maximilian von Bayern mit allem Nachdruckdie Entfernung des anmaßenden und gebiete-rischen Nebenbuhlers. Ferdinand sah sich des-halb genötigt, Wallensteins Absetzung auszu-sprechen und sein Heer zu vermindern. Wollen-stem fügte sich und begab sich auf seineböhmischen Güter, wo er in stolzer Ruhewartete, bis die Zeit wiederkehre, wo manseiner Hilfe bedürfen würde. -- Hätte derKaiser jetzt Mäßigung beachtet, so hätte erseines Sieges sich freuen mögen. Statt dessenerließ er, schlimmen Ratgebern folgend, dasRestitutionsedikt*). Nach demselben solltensämtliche seit dem Passauer Vertrag ein-gezogenen geistlichen Güter zurückgegeben, dieReformierten vom Religionsfrieden ausgeschlossenund die katholischen Stände an der Zurück-führung ihrer Untertanen zum alten Glaubennicht gehindert werden.

Der schwedische Krieg (1630- 36). Gustav Adolf, König von Schweden,fühlte sich beleidigt durch die Absetzung seiner Verwandten, der Herzöge von Mecklenburg.Außerdem sah er Schwedens Einfluß in der Ostsee bedroht und war besorgt um dieZukunft seiner Glaubensgenossen in Deutschland. Er erklärte deshalb dem Kaiserden Krieg.Wir haben halt ein neues Feindl bekommen!" spottete der Kaiser.

LVallenstettl.

*) Lon Restitution -- Zurückgabe.

Geschichte. .4. (Emil Noth in Gießen.) 3. Anst. H

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