Der dreißigjährige Krieg.
83
schung, wandte er sich zuerst nach Böhmen. Erst als er Prag erobert und Böhmenbefreit hatte, beachtete er die dringenden Bitten Maximilians und die ungeduldigenMahnungen des Kaisers. Aus einer Anhöhe nor Nürnberg schlug er ein festes Lagerauf, um dem Feinde die Zufuhr abzuschneiden. Monatelang verharrte er in seinerStellung. Endlich entschloß Gustav Adolf sich zu einem Angriff, mußte aberden furchtbaren Feuerschlünden Wallensteins gegenüber seinen Plan aufgeben undging nach der Donau zurück. Wallenstein rückte unter wilden Verheerungen inSachsen ein und vereinigte sich mit Pappenheim. Dringend rief der Kurfürst umHilfe. Da zog Gustav Adolf zum zweitenmal zur Rettung seines zweifelhaften Bundes-genossen in Eilmärschen nach der Saale. Bei Lützen kam es zur Schlacht. DerKönig begab sich mitten ins Getümmel, um einen weichenden Flügel zu ermutigen.Da zerschmetterte eine Kugel ihm den Arm. Als man ihn aus dem Gefecht brachte,erhielt er einen zweiten Schuß in den Rücken. Der Tod des Königs entflammteseine Krieger. Unter Anführung des Herzogs Bernhard von Weimar warfen sie inkühnem Ansturm alles vor sich nieder. Da erschien Pappenheim mit neuen Truppen,es begann eine neue Schlacht. Aber zwei Kugeln durchbohrten den tapferen Reiter-general. Zum Tode verwundet trug man ihn aus der Schlacht. Sterbend befahl er:„Saget dem Herzog von Friedland, daß ich fröhlich sterbe, da der unversöhnlichsteFeind meines Glaubens unter den Toten ist". Die Kaiserlichen zogen am nächstenTage nach Leipzig zurück, ohne sich für besiegt zu halten. Eine Reihe bedeutenderMänner, wie der Reichskanzler Oxenstierna, Herzog Bernhard von Weimar, Baner,Horn, Torstcnsohn u. a., hielten die schwedisch-protestantische Sache in Deutschlandaufrecht, aber die strenge Mannszucht war verschwunden. Die schwedischen Scharenhausten jetzt im Freundes- und Feindesland gleich den wallensteinschen.
Wallensteins Ermordung. Nach der Schlacht bei Lätzen zog sich Wallensteinnach Böhmen zurück. Er blieb untätig und unterhandelte heimlich mit Frankreich,Schweden und den Sachsen. Ob er den Feind, den Kaiser oder beide zu täuschensuchte, ist schwer zu sagen. Seine Gegner erklärten dieses zweideutige Benehmen fürVerrat. Wallenstein wurde deshalb heimlich geächtet. Mit einigen treuen Regimenternwarf er sich nach Eger. Dort wurde er von seinen eigenen Leuten, die man zurAusführung der Tat gedungen hatte, überfallen und ermordet (1634).
Nun übernahm des Kaisers Sohn Ferdinand den Oberbefehl. Bei Nördlingenerfocht er einen blutigen Sieg über Herzog Bernhard von Weimar. Dieser zog sichnach dem Elsaß zurück und trat mit seinem Heere in französischen Sold. Der Kurfürstvon Sachsen schloß mit dem Kaiser Frieden und ein Bündnis gegen die Schweden.Wieder hatte der Kaiser die Oberhand.
Der schwedisch-französische Krieg (1636—48). Nun trat Frankreich, das bei sichselber die Protestanten blutig verfolgte, offen für Schweden und die protestantische Sachein Deutschland ein. Noch zwölf Jahre dauerte der wechselvolle Kamps. Plündernde undsengende Heere durchzogen das unglückliche Vaterland von einem Ende zum andern.Schon 1641 begannen die Friedensunterhandlungen, aber man kämpfte nicht mehr fürden Glauben, sondern nur Beute zu machen und seine Forderungen beim Friedensschlußdesto höher stellen zu können. Keiner Partei gelang es, über die andere ein Über-gewicht zu erlangen, keine wollte nachgeben.
Friedensschluß. Endlich nach dreißigjährigem Kampfe kam 1648 zu Münsterin Westfalen und Osnabrück der lang ersehnte Friede. zustande. Das Blutvergießenendete da, wo es begonnen hatte, in Prag. Der schwedische General Königsmart hattegerade den auf dem linken Ufer der Moldau liegenden Teil von Prag eingenommen,als die Nachricht von dem Friedensschluß ihn erreichte. Die wichtigsten Bestimmungendesselben sind: Frankreich durfte die Bistümer Metz, Toul und Vcrdun behaltenund bekam noch das österreichische Elsaß und den Sundgau (die Gegend von Bel-fort), ferner die Landvogtei über sämtliche Reichsstädte im Elsaß. Schweden erhieltVorpommern und Stettin, die- mecklenburgische Stadt Wismar und die BistümerBremen und Verden. Der Kurfürst von Brandenburg bekam Hintcrpommern