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Bilder aus der deutschen Geschichte.
wickelt, in dem er unterlag. Westpreußen wurde mit Polen vereinigt, und nur Ost-preußen verblieb dem Orden, aber unter polnischer Oberhoheit. Der Sitz des Hoch-meisters wurde nach Königsberg verlegt. Zur Zeit der Reformation war Albrechtvon Brandenburg Hochmeister des Ordens. Er trat zur evangelischen Kirche überund verwandelte das Ordensland in ein weltliches Herzogtum unter der Lehnsherr-lichkeit Polens. Da Albrechts Sohn ohne ErRn starb, so siel das Land an denKurfürsten Sigismund von Brandenburg (1618). Zur Zeit Friedrich Wilhelmswurde Polen voll den Schweden besiegt, und der Kurfürst genötigt, nun den Königvon Schweden als seinen Lehnsherrn anzuerkennen, auch ein Bündnis mit ihm ein-zugehen. Der König von Polen drohte, er wolle den Kurfürsten von Brandenburgdafür in einen Kerker werfen lassen, wo ihn weder Sonne noch Mond bescheine.Doch dazu kam es nicht! Polen wurde von den Verbündeten in einer dreitägigenSchlacht bei Warschau vollständig besiegt. Im Frieden von Oliva erlangte dasHerzogtum Preußen volle Selbständigkeit (1660).
Der große Kurfürst als Landesvater. Als Fried-rich Wilhelm zur Regierung kam, war der 30jährige Kriegnoch nicht zu Ende. Das Land war entvölkert, die Felderlagen wüste, und Städte und Dörfer waren verödet.Nach geschlossenem Frieden war es die unausgesetzte Sorgedes Kurfürsten, den Wohlstand seines Landes wieder zuheben. Den: Landmann verschaffte er Zugvieh und Saat-korn; in die entvölkerten Gegenden zog er Ansiedleraus Holland und der Schweiz. Die nach Aufhebungdes Edikts von Nantes um ihres Glaubens willen ausFrankreich vertriebenen Hugenotten nahm er auf undgewann dadurch Tausende von gewerbtütigen Familien.Trotz des Widerspruchs des „kaiserlichen Reichspost-meisters" Thurn und Taxis richtete er für Branden-burg eigene Posten ein. Außerdem hob er den Ver-kehr durch Anlage von Land- und Wasserstraßen. DerKanal, welcher Spree und Oder verbindet, führt nochheute seinen Namen. Um für die Erzeugnisse des heimischen Gewerbfleißes ein Absatz-gebiet zu gewinnen, gründete er in Afrika eine Kolonie -and legte zu deren Schutzdas Fort Friedrichsburg an. Wenn die daran geknüpften Erwartungen sich auchnicht erfüllten, weil es an einer ausreichenden Flotte fehlte, so zeigt doch das Ganze,von welch ernstem Streben der Kurfürst beseelt war. Um gegen alle Wechselfülle ge-rüstet zu fein, schuf er ein stehendes Heer, das er nach und nach bis auf 26 000Mann vermehrte.
Die Schlacht bei Fchrbelli» (1675). Ludwig XIV. von Frankreich hatte ohneGrund die Republick Holland angegriffen. Friedrich Wilhelm trat für das befreundeteLand ein. Als er nun mit seinem Heere am Rhein stand, fielen — von Ludwig XIV.veranlaßt — die Schweden verheerend in Brandenburg ein. Zwar rotteten die Bauernsich zum Widerstand zusammen, aber den kriegsgeübten schwedischen Truppen warensie doch nicht gewachsen. Da eilte der Kurfürst in 16 Tagen vom Rhein herbei.Bei Fehrbellin traf er mit seiner Reiterei auf die Schweden. Das Fußvolk warnoch zurück. Da kam die Nachricht, daß der Prinz von Hessen-Homburg tollkühnden Kampf bereits begonnen habe. General Dersflinger, von dem die Sage er-zählt, daß er in seiner Jugend ein Schneidergeselle gewesen fei, begriff das Gefähr-liche der Lage und sprach: „Wir müssen ihm beistehen, sonst kriegen wir keinenMann wieder!" Da griff der Kurfürst trotz der schwedischen Übermacht in denKampf ein. Er stürzte sich mitten in das dichteste Kampfgetümmel. Wunder derTapferkeit wurden vollbracht und die Schweden endlich in die Flucht geschlagen.(Sage vom Stallmeister Froben.) Ganz Pommern wurde nun von den Schwedenbefreit und die Stadt Stettin genommen. Was die Tapferkeit gewonnen hatte^ das
Der große Kurfürst.