Joseph II.
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schlössen Frieden in Hubertnsburg, einem sächsischen Jagdschlösse. Die ProvinzSchlesien wurde endgültig an Preußen abgetreten, und Kurfürst August III. vonSachsen kehrte in sein Land zurück.
Teilung Polens. Das Königreich Polen lag zwischen Preußen, Rußland undÖsterreich. Der Adel hatte nach und nach allen Besitz und alle Rechte an sich gerissen.Der Bauernstand war leibeigen und lebte in den traurigsten Verhältnissen. Da der Adeldurch endlose Wahlstreitigkeiten entzweit war, so ging das Land sichtbar seinem Untergangentgegen. List und Selbstsucht der Nachbarn hatten deshalb leichtes Spiel. So hatteKatharina II. von Rußland es fertig gebracht, daß ihr Günstling StanislausPoniatowski zum König von Polen gewählt wurde. Viele über diese Schmach miß-vergnügte Polen stifteten nun eine Verschwörung, um den aufgedrungenen König, vomThrone zu stoßen. Der dadurch entfesselte Bürgerkrieg gab den Nachbarn Veranlassung,ihre Heere in Polen einrücken zu lassen. Nach einer geheimen Verabredung erklärten sie,die ihnen zunächst gelegenen Provinzen in Besitz nehmen zu wollen. Der Reichstag wurdezur Anerkennung dieser Forderungen gezwungen (erste Teilung 1772).
Im Jahr 1793 wurde diese Teilung zwischen Rußland und Preußen wiederholt,als gerade die Polen durch eine verbesserte Verfassung ihrem inneren Verfall entgegenwirkenwollten. Die Polen sammelten sich unter ThaddäusKosziusko, um im Verzweiflungs-kampf das Dasein ihres Vaterlandes zu retten. Sie erlagen jedoch der Übermacht, undnun erfolgte (1795) die Teilung des Restes zwischen den drei genannten Mächten.
36. Josepy II. (1765-1790).
Joseph II. folgte seinem Vater Franz I. in der Kaiserwürde, während seineMutter Maria Theresia die Verwaltung der österreichischen Länder bis zu ihrem1780 erfolgten Tode weiterführte. Joseph II. gehörte zn den begeistertsten Bewun-derern Friedrichs des Großen und nahm sich denselben in seiner Regierung zumVorbild. Er lebte einfach und sparsam und wollte seinen Untertanen sein, was ein
guter Vater seinen Kindern ist. Er besuchte dieArmen in ihren Hütten und die Künstler in ihrenWerkstätten. Sein Streben war darauf gerichtet,sein Volk glücklich zu machen. Kaum war erAlleinherrscher, so ging er mit Feuereifer an dieAusführung seiner Pläne. Er beseitigte die Folteraus der Rechtspflege, hob die Leibeigenschaft unddie Todesstrafe auf und verwilligte allen Be-kenntnissen Glaubensfreiheit und gleiche bürger-' liche Rechte. Von den 21000 Klöstern seinesLandes hob er einige Hundert auf und stattete' mit deren Einkünften Schulen, Waisen- undKrankenhäuser und andere wohltätige Stiftungenaus. Aber Joseph verfuhr bei seinen Verbesse-rungen zu rasch, ohne Rücksicht auf die Wünscheseines Volkes und ohne zn bedenken, daß allemenschlichen Einrichtungen, wenn sie wahrhaftheilsam sein sollen, den Bedürfnissen der Zeit folgen müssen. Seinen Bestrebungen,nach dem Aussterben der bayerischen Linie des Hauses Wittelsbach Bayern für seinHaus zu erwerben, trat Friedrich der Große durch Gründung eines „deutschenFürstenbundes" entgegen. Josephs Streben, die Völker Österreichs durch gleicheSprache und gleiche Gesetze zu einem großen Ganzen zu vereinigen, veranlaßteEmpörungen in Ungarn und den Niederlanden. Von vielen verkannt und mit Undankbelohnt, war Joseph deshalb gezwungen, die meisten seiner Verordnungen zurückzu-nehmen. Der Schmerz, seine sehnlichsten Wünsche vereitelt zu sehen, brach seine Kraft.Er starb, bevor er das 49. Lebensjahr erreicht hatte. Auf seinem Standbilde inWien stehen die Worte: „Joseph dem Zweiten, der dem öffentlichen Wühle nicht lange,aber ganz lebte."
Joseph er.