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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Bilder aus der deutschen Geschichte.

gekommen, wo es ihnen möglich sei, ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen. Aber bei demkläglichen Ausgang der Verfassungsbewegung in Deutschland selbst kannte ihnen vonda nur geringe Hilfe geleistet werden. S» erlagen sie der dänischen Übermacht. Dieeuropäischen Großmächte traten in London zusammen und entschieden ohne Rücksichtauf Geschichte und Recht über die Zukunft der Herzogtümer. Man hatte weder dieBewohner des Landes um ihre Meinung befragt, noch auch die Zustimmung desDeutschen Bundes für nötig erachtet. 1863 starb König Friedrich VII. von Däne-mark ohne Hinterlassung von Kindern. Sein Nachfolger Christian IX. war inHolstein nicht erbberechtigt. Zwar war ihm durch jene Londoner Vereinbarung dasErbrecht zugesichert, aber weder Herzog Friedrich von Augustenburg, der zunächst Erb-berechtigte, noch der deutsche Bund waren geneigt, sich dem Machtspruch der Groß-mächte zu fügen. Österreich und Preußen erklärten sich zwar anfangs an die LondonerBeschlüsse gebunden, verlangten aber, daß Dänemark seine damit im Widerspruchstehenden Anordnungen zurücknehme. Als dies nicht geschah, erklärten auch sie sichnicht mehr an die früheren Abmachungen gebunden und rückten in das Land ein.Die Preußen siegten bei Missunde und die Österreicher bei Oversee, worauf sichdie Dänen hinter ihr festes Bollwerk, die Düppeler Schanzen, zurückzogen.Nach mehrwöchiger regelrechter Belagerung wurden diese endlich am 18. April 1864von den Preußen erstürmt. Nachdem die Preußen auch die starkbefestigte Insel Alsengenommen hatten, blieb den Dänen nichts übrig, als sich auf ihre Schiffe zu flüchten.Im Frieden von Prag trat hierauf der König von Dänemark Schleswig-Holsteinund Lauenburg an Österreich und Preußen ab.

Der deutsche Krieg 1866. Verschärfung der Gegensätze. Über das end-gültige Schicksal der eroberten Herzogtümer gerieten Österreich und Preußen in L-treit.Preußen, das in der Weiterentwicklung seiner Seemacht gehemmt war, wünschte die-selben für sich zu erwerben. Österreich, für das zwar der Besitz so entlegener Länderkeinen Wert hatte, mißgönnte trotzdem Preußen den erstrebten Machtzuwachs. Eswünschte Übertragung des Landes an den Herzog Friedrich von Augustenburg.Preußen lehnte dies zwar nicht geradezu ab, wünschte aber, daß ihm dann freieVerfügung über die gesamte Land- und Seemacht der Herzogtümer und der Kriegs-hafen Kiel zugestanden werde. Diese Forderung wies Herzog Friedrich ab. Vonnun an richtete Preußen sein Bestreben unausgesetzt darauf, die Herzogtümer für sichzu gewinnen. Dadurch wurde das von jeher gespannte Verhältnis zwischen Preußenund Österreich immer unhaltbarer. Nochmals kam in dem Vertrag von Ga-st ein (1865) eine Verständigung zwischen beiden zustande. Danach sollte unbe-schadet des gemeinsamen Eigentumsrechts Schleswig von Preußen und Holsteinvon Österreich besetzt und verwaltet werden. Lauenburg wurde gegen Zahlung von2 */2 Mill. Taler an Preußen überlassen. Aber dieses Abkommen machte den Zustandnur noch unhaltbarer. Österreich begünstigte in ausfallender Weise den Herzog vonAugustenburg, erlaubte ihm sogar, im Lande selber zu wohnen und für seine Zweckezu wirken. Preußen beantragte deshalb, eine aus allgemeinen Wahlen hervorgegangeneVolksvertretung möge eine neue Bundesverfassung für Gesamtdeutschland beraten.Bei dieser Gelegenheit könne auch über die zukünftige Gestaltung der Herzogtümer Be-schluß gefaßt werden. Als jedoch statt dessen der österreichische Statthalter in Holstein,Freiherr von Gablenz, die holsteinischen Stände berief, um diese entscheiden zulassen, wer in den Herzogtümern regieren solle, da erklärte der preußische Statthalter,Freiherr von Manteuffel, damit sei der Gasteiner Vertrag gebrochen. Jetzt tretewieder die frühere gemeinsame Verwaltung in Kraft, und er werde demzufolge in Hol-stein einrücken. Der Ankündigung folgte die Ausführung, und der österreichischeStatthalter war gezwungen, sich nach Hannover zurückzuziehen.

Die Kriegserklärung. Österreich klagte jetzt Preußen des Friedensbruchsan und beantragte beim Bunde, die nichtpreußischen Bundestruppen zu den Waffenzu rufen. Preußen warnte vor diesem verhängnisvollen Beschluß, doch umsonst. AufDrängen Österreichs wurde am 14. Juni 1866 zur Abstimmung geschritten und der