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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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107
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Von 18151870.

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Antrag Österreichs mit 9 gegen 6 Stimmen zum Beschluß erhoben. Preußen erklärtehierauf feinen Austritt aus dem Bunde. Damit war die Entscheidung der Waffenangerufen. Beide Staaten hatten schon vorher gerüstet. Mit Österreich hielten es dieStaaten Süddentschlands, ferner Hannover, Kurhessen und Sachsen, mit Preußen diekleineren Staaten Norddeutschlands; auch hatte Preußen für den Kriegsfall ein Schutz-und Trutzbündnis mit Italien abgeschlossen.

Der Krieg in Böhmen. In drei Heersäulen rückte die preußische Haupt-armee in Böhmen ein. Die erste Armee unter Prinz Friedrich Karl zog überZittau und Reichenberg, die schlesische Armee unter dem Kronprinzen FriedrichWilhelm über Glatz, und die Elbarmee unter Herwart von Bittenfeld folgte demLauf der Elbe. Als Vereinigungspunkt war den drei Armeen das Tal der oberen Elbebezeichnet worden. Die Elbarmee siegte bei Hühner Wasser, Prinz Friedrich Karl beiMünchengrätz und Gitschin. Die schlesische Armee wurde anfangs bei Trautenauzurückgedrängt, siegte aber schon am folgenden Tage und später bei Nachod undSkalitz. Überall zeigte sich das preußische Zündnadelgewehr dem österreichischen Vor-derlader überlegen. Am 2. Juli traf König Wilhelm bei der Armee ein und über-nahm den Oberbefehl. Man erfuhr, daß die österreichische Gesamtmacht unter Benedekbei König grätz stehe. Obgleich sie eine sehr vorteilhafte Stellung inne hatte, beschloß,man, sie am folgenden Tage anzugreifen. Noch in der Nacht wurde dem Kronprinzender Befehl übersandt, so schnell als möglich aus dem Schlachtfeld zu erscheinen. AmMorgen des 3. Juli griff Prinz Friedrich Karl im Zentrum an. Aber der furcht-baren Stellung der Österreicher gegenüber war an ein Vordringen nicht zu denken;er hatte Mühe, seine Stellung zu behaupten. Furchtbare Regengüsse verzögerten dieAnkunft des Kronprinzen von Stunde zu Stunde. Wie einst Wellington nach Blücher,,so schauten König Wilhelm und seine Generale besorgt nach der Ankunft des Kron-prinzen aus. Endlich um 2 Uhr kam die Freudenbotschaft, daß die ersehnte Armeeeingetroffen und bereits in Tätigkeit getreten sei. Begünstigt vom Nebel erstürmtedie preußische Garde das Dorf Chlum, den Schlüssel der österreichischen Stellung.Einem jetzt unternommenen Angriff der vereinigten preußischen Armeen vermochten dieÖsterreicher nicht mehr zu widerstehen. In voller Auslösung traten sie den Rückzug an,verfolgt von der Preußischen Reiterei. Ohne nennenswerte Gefechte drangen die Preußenbis Preßburg vor. Es erfolgte hierauf der Waffenstillstand zu Nikolsburg.

Der Krieg im Westen. Hannover, Sachsen und Kurhessen waren vonPreußen vor Ausbruch des Kampfes die günstigsten Bedingungen gestellt worden, umsie als Verbündete zu gewinnen, oder wenigstens zur Neutralität zu veranlassen. Als-sie darauf nicht eingingen, erfolgte mit Blitzesschnelle der Einmarsch der Preußen.Der Kurfürst von Hessen wurde auf seinem Schlosse Wilhelmshöhe gefangen genommenund nach Stettin gebracht. Der blinde König Georg von Hannover war mit seinernur unvollständig gerüsteten Armee nach Süden gezogen, um in Verbindung mit derbayerischen Armee zu treten. Er wurde aber durch die für ihn nicht ungünstigeSchlacht von Langensalza festgehalten und nach zwei Tagen zur Wasfenstrcckung ge-zwungen. In einer Reihe von Gefechten bei Hammelburg, Kissingen, Laufach,Aschassenburg, Würzburg rc. wurden die süddeutschen Truppen besiegt und über demMain zurückgetrieben. Ende August kam auch mit ihnen ein Waffenstillstand zustande.

Der Friede von Prag machte schließlich dem Bruderkrieg ein Ende. Öster-reich schied aus Deutschland aus, verzichtete auf seine Ansprüche auf Schleswig-Holsteinund zahlte eine Kriegsentschädigung. Preußen nahm Schleswig-Holstein, Hannover,Kurhessen, Nassau, Frankfurt a. M. und Teile des Großherzogtums Hessen. Mit denStaaten nördlich des Mains gründete es hierauf den Norddeutschen Bund.Mit den süddeutschen Staaten wurde ein Schutz- und Trutzbündnis vereinbart. Hier-nach waren für den Fall eines auswärtigen Krieges die süddeutschen Truppen demOberbefehl des Königs von Preußen unterstellt. Diese Verträge wurden vorläufiggeheim gehalten. Mit dem Großherzogtum Hessen, dessen Provinz Oberhessen einBestandteil des Norddeutschen Bundes war, wurde ein Vertrag abgeschlossen, wonach