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Bilder aus der deutschen Geschichte.
dessen Truppen auch im Frieden dem preußischen Oberbefehl unterstanden. — Gegen.Italien war Österreich siegreich gewesen. Um sich aber Frankreichs Einfluß bei denFriedensverhandlungen zu sichern, hatte es ihm Venetien abgetreten. Von Frankreichwurde das Land später an Italien überlassen.
43. Der deutsch-französische Krieg.
Kricgsmsachen. Der Krieg von 1866 hatte in seinen Wirkungen nicht nurdie am Kampfe beteiligten Machte, sondern auch Frankreich aufs tiefste berührt.Einen solchen Ausgang hatte man hier nicht erwartet. Man hatte angenommen, daßbeide Gegner sich so zerfleischen würden, daß auch der Sieger ohnmächtig danieder-liege und den Machtspruch Frankreichs geduldig annehmen müsse. Noch war es inFrankreich nicht vergessen, daß einst in Köln, Mainz und Landan französische Fahnengeweht hatten. Staatsmänner und Geschichtsschreiber hatten dem Volke unaufhörlicherzählt, Frankreichs natürliche Grenze sei der Rhein. Den deutschen Krieg betrachteteman als willkommene Gelegenheit, ohne besondere Opfer das Langersehnte zu gewinnen.Hatte Frankreich doch von jeher aus deutscher Zwietracht Vorteil gezogen! Nun sahman plötzlich statt eines ermatteten, kampsesmüden Ringers einen mächtigen, sieges-srohen Gegner vor sich. Als daher die nach der Schlacht bei Königgrätz gestelltefranzösische Forderung auf Abtretung von deutschen Grenzgebieten bei König Wilhelmauf unbedingte Ablehnung stieß, da war man im höchsten Grade erstaunt. Nachdemman aber sich eingestehen mußte, daß es zu gefährlich sei, auf seinem Verlangen zubestehen, da verwandelte sich die Überraschung in Wut. Seither hatte französischeEitelkeit sich damit geschmeichelt, Frankreich sei die erste Macht Europas. Nun hattesich auf einmal das kleine, kaum beachtete Preußen erlaubt, die „große Nation" in'den Schatten zu stellen. Kein Wunder, wenn französische Eitelkeit die österreichischenNiederlagen so empfand, als ob sie sie selber erlitten hätte. Daher das Geschrei:Rache für Sadowa! Nun suchte man nach Gründen, um wenigstens einen Scheindes Rechts in einem Streite mit Preußen auf seiner Seite zu haben. Man brachdie Luxemburger Frage vom Zaune. Seit 1816 war Luxemburg deutscheBundessestnng gewesen und hatte eine preußische Besatzung gehabt. Auf einmal er-kannte man in diesen: Umstände eine Bedrohung Frankreichs. Die Franzosen hattenfich vergeblich erhitzt! Preußen — sei es aus Friedensliebe, sei es, daß es nochetwas Zeit gewinnen wollte — verzichtete auf ein Recht, dem es keinen besonderen Wertbeilegte. Damit war aber der Kampf nur hinausgeschoben. In Deutschland wußteman, daß man vor dem Ausbruch eines verheerenden Gewitters stehe. Nichts wurdevon dem König von Preußen und seinen Ratgebern versäumt, um dem drohendenSturme begegnen zu können. Die Haupttätigkeit war darauf gerichtet, die Heerebereit zu stellen. Auch in Süddeutschland erkannte man den Ernst der Lage. Manscheute keine Mühe, die Armee nach bewährtem preußischem Muster umzugestalten. InFrankreich wurden inzwischen die Verhältnisse immer unhaltbarer. Man verzieh esNapoleon*) nicht, daß er nicht von vornherein sich mit Österreich gegen Preußen
*) Nach Vertreibung des französischen Königs Louis Philipp (1848) wurde Frankreich zur Republik-erklärt und Louis Napoleon Bon aparte, ein Neffe Napoleons I., zum ersten Präsidenten erwählt.Indem er der französischen Eitelkeit schmeichelte, wußte Napoleon das Volk dahin zu dringen, datzes ihm mit großer Mehrheit seine Gewalt aus 10 Jahre verlängerte. Später ließ er durch seine Werk-zeuge im Senat den Antrag aus Wiederherstellung der Kaiserwürde stellen und in einer anberaumtenVolksabstimmung sprachen sich 7^2 Mill. Stimmen dafür aus. Am 2. Dezember 1852 erfolgte die öffent-liche Bekanntmachung, und als Napoleon III.. Kaiser der Franzosen, zog Louis Napoleon in der Residenzder französischen Könige ein. .
„Das Kaiserreich ist der Friede!" versicherte Napoleon bei seiner Thronbesteigung. Die Folge zeigtejedoch, datz diese Versicherung nur leere Worte waren. Schon 1854 bekriegte er im Bunde mit EnglandRußland, das mit der Türkei in Streit geraten war. (Orientalischer Krieg.) 1859 focht Frankreich alsVerbündeter Sardiniens gegen Österreich. Nachdem dieses bei Magenta und Solserina unterlegen war,mußte es im Frieden von Villafranka die Lombardei an Frankreich abtreten. Napoleon überließ dieseProvinz zwar seinen Verbündeten, doch mußte dieser dafür Nizza und sein eigenes Stammland. Savohen.au Frankreich abgeben. 1862 begann Napoleon wegen geringfügiger Ursache einen Krieg mit der RepublikMexiko. Maximilian, der älteste Bruder des Kaisers Franz Joseph von Österreich, ließ sich im Vertrauenaus Frankreichs ferneren Beistand betören, die Kaiserkrone von Mexiko anzunehmen. Als jedoch Napoleonseine Truppen zurückzog, unterlag Maximilian nach tapferer Gegenwehr seinem republikanischen Gegner.Er geriet in Gefangenschaft, wurde zum Tod verurteilt und erschossen.