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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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114 Bilder aus der deutschen Geschichte.

hatte schließlich auch ein Ende, und die riesigen Belagerungsgeschütze fingen an, einernstes Wort mit den Parisern zu sprechen. Endlich, am 28. Januar, ergab sich dieStadt. Die äußeren Festen wurden von den Franzosen geräumt und von den

Deutschen besetzt. Die Besatzung von Pariswurde entwaffnet. » Nur 12 000 Mannbehielten ihre Waffen, um die Sicherheitinnerhalb der Stadt ausrecht zu erhalten.Am 1. März zogen 30 000 Mann deutscherTruppen in Paris ein. Die Räumungsollte wieder erfolgen, sobald die Beding-ungen des vorläufigen Friedens vonVersailles von der Nationalversammlungin Tours genehmigt worden seien. Diesgeschah am Tage des Einmarsches, so daßdie Deutschen bereits am 3. März Pariswieder verlassen konnten.

Der Friede. Am 10. Mai wurde inFrankfurt am Main der endgültigeFriede zwischen Deutschland und Frankreichvon den beiderseitigen Bevollmächtigten,Fürst Bismarck und Jules Favre, unter-zeichnet. Frankreich trat an Deutschlanddas Elsaß und einen Teil von LothringenBismarck. ab mit den Festungen Straßburg und Metz.

Außerdem zählte es eine Kriegsentschädi-gung von 5000. Millionen Franken. Bis zur gänzlichen Abtragung dieserSumme blieben Teile Frankreichs auf Kosten des Landes von deutschen Truppenbesetzt. Ungeheure Opfer hatte der Krieg auch von Deutschland verlangt. 25 000 Mannwaren gefallen, 90 000 verwundet worden. 23 große Schlachten und 156 kleinereGefechte waren geliefert, 26 Festungen erobert worden. 11 650 französische Offiziereund 363 000 Soldaten waren in Gefangenschaft geraten, 120 Adler und Fahnenund 6700 Geschütze erbeutet worden.

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44. Die Wiederaufrrchtung des Deutschen Weiches.

Die Verkündigung. Noch während die militärischen Geschäfte im Gangewaren, berief der König von Preußen alsBundesseldhcrr" seine Bundesgenossennach dem Hauptquartier in Versailles. Es galt, die Frankreich vorzuschlagendenFriedensbedingungen festzustellen und über die künftige Gestaltung Deutschlands zuberaten. Die meisten Fürsten waren selber erschienen, andere hatten Vertreter gesandt.Die Verfassung des Norddeutschen Bundes wurde im allgemeinen aufrecht erhaltenund nur der Beitritt der süddeutschen Staaten ausgesprochen. Dieser Beitritt erfolgtevonseiten Badens und Hessens unbedingt; Bayern und Württemberg behieltensich bezüglich des Heimatswesens, des Militärs und der Postverwaltung verschiedeneReservatrechte" vor.

Nachdem dies geordnet war, wurde durch den König von Bayern in Über-einstimmung mit den übrigen deutschen Fürsten und den Vertetern der freien Städteder Wunsch ausgesprochen, der König von Preußen möge den erblichen Titel einesDeutschen Kaisers annehmen. Schon im Dezember 1870 war der Präsident desNorddeutschen Reichstags mit einer Abordnung in Versailles erschienen, um dem Königeine Adresse zu überreichen, in welcher ihm der Dank des Volkes für seine und desHeeres Heldentaten ausgesprochen und ihm die Kaiserkrone angetragen wurde. Diesem