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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Die frühesten Bewohner des Landes.

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Vangione«, Römer, Alemannen, Burgunder, Franken. Nördlich des Mainsblieben die Chatten im allgemeinen in den Wohnsitzen, die sie den Kelten abgenommenhatten. Dagegen trat in den Gebieten südlich des Mains nach Vertreibung derKelten unter den Bewohnern vielfacher Wechsel ein. Ums Jahr 50 v. Chr. saßenin der Gegend von Worms die Vangionen. Es war dies ein germanischer Volks-stamm, der seinen Wohnsitz im Osten verlassen hatte und über den Rhein vorge-drungen war. Zu Beginn unserer Zeitrechnung gelangte das Land zu beiden Seitendes Rheins in den Besitz der Römer (S. 31). Aus den von Drusus längs desRheins angelegten Kastellen entstanden später Städte und Dörfer (Bingen, Mainz,Kastel, Alzey u. a.). Nach der Schlacht im Teutoburger Walde war die Macht derRömer auf dem rechten Rheinufer für immer gebrochen. Wenn sie trotzdem immerwieder Vorstöße nach dieser Seite unternahmen, so geschah es nur zu dem Zwecke,das linke Ufer zu verteidigen. Dem gleichen Zwecke dienten die unter Kaiser Do°mitian (8196) angelegten Befestigungen, die unter dem NamenPfahlgraben"bekannt sind. Diese zogen vom Siebengebirg bis zur Donau bei Regensburg. Siebestanden aus einer Reihe steinerner Wachttürme, die unter sich durch einen Grabenmit davorliegendem Wall verbunden waren. In der Wetterau wie im östlichenOdeuwalde befinden sich noch deutliche Spuren dieser Anlagen. Das Land zwischenPfahlgraben, Rhein und Donau hieß das Zehntland, wahrscheinlich weil die Be-wohner den Römern zinspflichtig waren. Als aber im Ansang des dritten Jahrhun-derts das Mischvolk der Alemannen am Oberrhein und etwas später der Bund derFranken am Mittelrhein vordrangen, da ging das Zehntland verloren. Im fünftenJahrhundert kam auch das linke Rheinufer in den Besitz der Alemannen, Burgunderund Franken. Durch die Schlacht bei Zülpich (S. 37) wurden die Alemannen denFranken zinspflichtig und alles Land bis zum Neckar kam unter die Oberherrschaftder Franken.

Die Burgunder wohnten, anfangs zwischen Oder und Weichsel. Sie zogenwestwärts und ließen sich im Rücken der Alemannen am Main nieder. Als 406Alanen, Sueven und Alemannen über den Rhein setzten, da drangen auch die Burgun-der nach und ließen sich in der Gegend von Worms nieder. Wahrscheinlich hattensie auch das zunächstliegende Gebiet auf dem rechten Rheinufer besetzt. Schon 437wurden sie indes von den Hunnen besiegt und zogen weiter westwärts in das Ge-biet der mittleren Rhone (Dijon). An den Aufenthalt ihres Königs Gundahar undseines Bruders Giselher in Worms knüpft die deutsche Heldensage des Nibelungen-liedes an.

Der Nibelungen Not. Siegfried, der Sohn des rheinfränkischen KönigsSiegmund und seiner Gattin Siegelinde in Niederland, verläßt des Vaters Schloß, umAbenteuer zu suchen. Er schmiedet sich selber das Schwert und kämpft mit Drachen,Riesen und Zwergen. Er hatte in dem Quell, den eines erschlagenen Lindwurms Blutgefärbt, sich gebadet. Davon war seine Haut hart geworden wie Horn. Nur an einerStelle zwischen den Schultern war er verwundbar, auf die beim Baden ein Lindenblattgefallen war. Die Nibelungen (die Zwergenkönige Schilbung und Nibelung) hatteer besiegt und ihnen einen unermeßlichen Schatz an Gold und Edelgestein abgenommen.Dem Zwerg Alberich hatte e; die unsichtbar machende Tarnkappe*) entrissen. Vonneuem auf kühne Abenteuer ausziehend, kam er nach Worms am Rheine, wo KönigGünther mit seinen Brüdern Gernot und Giselher und ihrer lieblichen Schwester Kriem-hilde Hof hielt. Siegfried wurde mit Ehren ausgenommen und Günthers Freund. Erzog gegen dessen Feinde Lüdeger von Sachsenland und Lüdegast von Dänemark undbesiegte sie in ritterlichen Kämpfen. Günther warb um Brunhilde, die Herrin vonJsenstein. Diese wollte sich jedoch nur dem als Frau ergeben, der sie im Kampfeüberwinde. Bis jetzt hatte noch keiner gesiegt, und einer der Freier nach dem andernhatte sein Leben eingebüßt. Mit Hilfe der Tarnkappe half Siegfried Günther dieBrunhilde erringen. Zum Dank vermählte ihn dieser mit seiner Schwester Kriemhilde,und diese begleitete ihn nach seiner Heimat. Nach einiger Zeit kamen beide wieder

*) Räch dem Glauben des germanischen Hridentums war dies ein Gewand, das seinen Träger un-sichtbar machte und ihm übernatürliche Stärke verlieh.