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Geschichte : ein Wiederholungsbuch für die Hand der Schüler / bearb. von P. Müller und J. A. Völker
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Hessen unter seinen Großherzogen.

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Ludwig II. (1830—1848) kam erst in seinem 63. Lebensjahre zur Regierung.Mit gewissenhafter Sorgfalt führte er weiter, was sein Vater begonnen hatte. DudchEdikte wurden die Verhältnisse der Kirche und Schule den Zeitverhaltnissen ent-sprechend geregelt. Die Taubstummenanstalten in Friedberg und Bensheim, dasSchullehrerseminar daselbst, sowie einzelne Realschulen wurden gegründet. Das Netzder Landstraßen wurde vervollständigt und die Main-Neckarbahn erbaut. DurchGründung eines landwirtschaftlichen und eines Landesgewerbevereins erhielten Land-wirtschaft und Gewerbe Mittelpunkte, von denen aus wichtige Anregungen erfolgten.

Ludwig IH. (1848—1877) wurde unter den Stürmen des Jahres 1848(S. 105) von seinem Vater zum Mitregenten berufen. Sein Verständnis für dieWünsche des Volkes und sein leutseliges Wesen trugen ganz besonders dazu bei, dieOrdnung wiederherzustellen und den Staat in die Bahnen einer ruhigen und geordnetenVerwaltung zu lenken. Durch Einführung der Geschwornengerichte wurde der Rechts-sinn des Volkes geschärft. Die evangelische Kirche erhielt die langerstrebte selbständigeVerfassung, und eine Reihe freisinniger Gesetze hatten Fortschritte auf allen Gebietendes Staatswesens zur Folge. In die Regierungszeit Ludwigs III. fällt die Erbauungder wichtigsten Bahnlinien Hessens. Die Gewerbeschule in Darmstadt wurde in einetechnische Hochschule umgewandelt. 1866 (S. 107) stand Hessen aus seiten Österreichs.Nachdem bei Königgrätz die Entscheidung bereits gefallen war, wurden die hessischenTruppen bei Laufach (12. Juli) von einer preußischen Übermacht besiegt und zurück-gedrängt. In den: darauffolgenden Frieden trat Hessen an Preußen das Hinterland<S. 107) und einen Teil des Kreises Gießen ab, erhielt dagegen einige innerhalbseines Gebiets gelegene Orte (Bad-Nauheim, Reichelsheim, Ruhlkirchen rc.).

Ludwig IV. (1877—1892) halte schon im deutsch-französischen Kriege (S. 108)die hessische Division geführt. Sie bildete einen Bestandteil der 2. Armee unter dem

Prinzen Friedrich Karl. Die hes-sischen Truppen kämpften in derZeit von: 14. bis 18. August beiMars-la-Tour und Gravelotte undfanden Verwendung bei der Be-lagerung von Metz. Nach demFall dieser Festung zogen sie weiternach Westen und nahmen teilan der Aufgabe, die Belagerungvon Paris vor Störungen durchdie französische Loirearmee zu sichern.Die Loire wurde bei Orleans zuerstvon einem hessischen Bataillon über-schritten. Eine hervorragende Hel-dentat war die Erstürmung des von3000 Franzosen besetzten SchlossesChambord durch die 8. Kompagniedes 4. hessischen Infanterieregimentsunter Anführung des HauptmannsKattrein. Die Regierung Lud-wigs IV., der von seinem Volkegleich einem Vater verehrt wurde,war eine höchst segensreiche. Wäh-lend seiner Regierung erfolgte der Bau einer festen Rheinbrücke zwischen Mainz undKastel, sowie der Mainbrücken bei Offenbart) und Kostheim. Auch seine GemahlinAlice hat durch eine Reihe wohltätiger Einrichtungen sich ein unvergängliches Denkmalin den Herzen des Volkes errichtet.

Ernst Ludwig ist am 25. November 1868 geboren. Er kam zur Regierungnach dem am 13. März 1892 erfolgten Tode seines Vaters. Er studierte in Leipzig und

Ludwig IV.