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Lehrbuch der Geschichte für die oberen Klassen höherer Lehranstalten / von Friedrich Neubauer
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Deutsche Geschichte bis zur Gründung des nationalen Staats 919.

Justinian.

Vandalen-

Erteg.

Ostgoten-

Eticg.

Ravenna ist noch heute sein Grabmal zu sehen, ein Rundbau, demein mächtiger Steinblock zur Decke dient.

§ 28 . Der Untergang der Vandalen und Ostgoten. In das

sechste Jahrhundert fällt der letzte große Versuch von römischer Seite,das Germanentum zurückzudrängen. Er ging aus von I u st i -nianus. Dieser Kaiser, dessen Politik von seiner GemahlinTheodora stark beeinflußt wurde, ist ebenso für die innere wie für dieäußere Entwickelung des oströmischen Reiches von großer Bedeutung.Nachdem er eine Erhebung der Cirkusparteien, den sog. Nikaaufstand,niedergeworfen hatte, begründete er die kaiserliche Gewalt in dera b s o l u t e st e n Form, freilich nicht ohne die Untertanen durchSteuern auf das schwerste zu bedrücken. Die Universität Athenschloß er und raubte dadurch dem Heidentum seine letzte Stütze. Dasrömische Recht ließ er sauf Grund der edicta praetorum undder Bücher der großen Rechtslehrers im Corpus iuris zusammenfassen.Ein Denkmal dieser absoluten Monarchie, die auf Gesetzgebung undKirche gegründet war, wurde die gewaltige Kuppelkirche der heiligenWeisheit sHagia Sophias in Konstantinopel. Bemerkenswertist, daß unter Justinians Regierung griechische Mönche die erstenSeidenraupen aus China nach Europa brachten.

Die Ostgrenze seines Reiches vermochte Justinian nur not-dürftig gegen die Perser zu schützen. Dagegen wandte er sich mit allerMacht gegen die Germanen und hat Afrika, Italien und das süd-östliche Spanien wiedergewonnen. Zuerst griff er die Vandale nan, die mehr als die anderen Germanenvölker durch maßlose Hin-gabe an die Genüsse des eroberten Landes erschlafft und entnervtwaren. Sein Feldherr B e l i s a r besiegte den König G e l i m e r,der in eine Bergfestung flüchtete, dort gefangen genommen und nachByzanz geführt wurde.

Bei den O st g o t e n führte nach Theoderichs Tode dessenTochter Amalasvintha die Regierung, anfangs für ihren SohnAthalarich, nach dessen Tode als Königin. Als der Mitregent, densie wählte, Theodahad,sie ermorden ließ, begann Justinian unterdem Vorwand, sie zu rächen, den Krieg. Belisar besetzte Rom,das Witiches, der neue Gotenkönig, nicht wiederzunehmen vermochte.Die Ostgoten zogen sich nach Oberitalien zurück; Witiches wurde vonBelisar in verräterischer Weise gefangen genommen. Ein neuer Auf-schwung der Goten begann mit der Erhebung des Totila zumKönig, der in siegreichem Zuge bis Neapel und weiter vordrang undzeitweise auch Rom besaß, bis es dem zum zweiten Male nach Italiengesandten Belisar von neuem in die Hände fiel. Die Vernichtung derGoten geschah durch N a r s e s: mit einem Heere von Norden