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Leitfaden zur Geschichte des deutschen Volkes / von David Müller
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124 Jena u. Auerstädt. Zusammenbruch d. alten Preußen. Z§ 196. 197.

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wirkte. Ja, als um diese Zeit nach dem Tode des jüngeren Pitt, derals englischer Minister Napoleons beharrlichster Gegner gewesen, sich demKaiser die Aussicht bot, mit dem gefährlichsten Gegner Frieden zuschließen, trug er keine Bedenken, England das an Preußen abgetreteneHannover zurückzubieten. Sein Schwager Murat verleibte seinem Groß-herzogtum Berg widerrechtlich preußische Gebiete ein. Kurz, Napoleonreizte geflissentlich durch allerlei Mißachtung Preußen zum Kriege, bis imstolzen Heere und Volke und zuletzt selbst bei Friedrich Wilhelm III. dasMaß dessen, was der Friedfertigste ertragen könne und dürfe, voll erschien.

8 196. Jena und Auerstädt, 1896. Als im Okt. 1806 dieKriegserklärung ausgesprochen wurde, stand Preußens Heer unterdem Oberbefehl des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braun-schweig schon in Thüringen, Napoleons Heer, an sich schon dempreußischen an Zahl überlegen und dann noch durch Rheinbundstruppcnverstärkt, schickte sich an vom Main her über den Thüringer Wald insSaalethal vorzudringen. Hier bei Saalfeld erlag die preußische Vor-hut unter dem hochbegabten, aber zügellosen Prinzen Louis Ferdinand,des Königs Vetter, dem übermächtigen Feinde. Der Prinz selbst fiel.

Nun rückte Napoleons Heer die Saale hinunter auf Jena, wo derpreußische General Hohenlohe stand. Auf die Kunde, daß Napoleonseine Marschälle über Gera hinaus bereits in den Rücken der Preußenauf Naumburg vorrücken lasse, hatten die Preußen beschlossen, die fran-zösische Armee hinter der Unstrut zu erwarten, und Hohenlohe hatte schonBefehl, sich dem dorthin abrückenden Heere anzuschließen, als er bei1806 Jena festgehalten und am nebeligen Morgen des 14. Oktober, dem Un-glückstage von Hochkirch (Z 175), in eine vernichtende Schlacht verwickeltwurde. An demselben Morgen war der preußische Oberbefehlshaber, derHerzog von Braunschweig, auf die von Naumburg her gegen Jena vor-gehenden Franzosen unter Davoust und Bernadotte unweit Kösen bei demDorfe Auerstädt gestoßen. Auch hier hatten die Preußen die Schlachtplanlos begonnen, der Herzog von Braunschweig war im entscheidendenAugenblicke tödlich verwundet worden, und der Reitergeneral Blücherkonnte trotz eines verzweifelten Kavallerie-Angriffes die Schlacht nichtretten. Beide preußischen Armeen flohen auf Weimar gegeneinander, undeine furchtbare, erschreckende Auflösung begann bei dem kopflos geführten/ preußischen Heere, das den Glauben an sich selbst verloren hatte.

^ tz 197. Zusammenbruch des alten Preußen. Schon am fol-/ zenden Tage ergab sich die Festung Erfurt, die einen ersten Halt hättebieten müssen. Die Reserve unter Prinz Eugen von Württembergwurde bei Halle aufgerieben. Magdeburg, das einen Halt- undSammelpunkt hätte abgeben sollen, kapitulierte schmählich. Schon am27. Oktober hielt Napoleon seinen Einzug in Berlin. Spandau,Küstrin und Stettin ergaben sich. Bei Prenzlau kapitulierte Hohen-