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Leitfaden zur Geschichte des deutschen Volkes / von David Müller
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125
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Die 4. Koalition. Friede von Tilsit. §§ 198. 199. 125

lohe, ohne ernstlichen Widerstand zu versuchen. Nur Blücher rettetewenigstens die Ehre- Er hatte die untere Elbe glücklich überschritten,schlug sich, beständig von den Franzosen verfolgt, durch Mecklenburg, insöstliche Holstein, bis Lübeck durch, bestand in dessen Straßen mit demfast gleichzeitig eindringenden Feinde ein wütendes Gefecht und kapituliertebei Ratkau nur,weil er kein Brot und Pulver mehr hatte".

Friedrich Wilhelm III. war über Berlin nach Küstrin gegangen, wo ermit der Königin Luise zusammentraf, die ihn erst verlassen hatte, als schonder Schlachtendonner von Auerstädt ihr nachgetönt war. Von hier aus suchtedas Königspaar Sicherheit in Königsberg, dann in Memel an derfernsten Ostgrenze der Monarchie. Inzwischen folgte eine schmählicheKapitulation der andern; Polen fiel ab, sobald Napoleon von Berlin ausin diese Provinz vorrückte. Mit dem Staate Friedrichs des Großen schienes zu Ende zu gehen.

tz 198. Die 4. Koalition, 1807. Da kamen die Russen, die1805 mit Napoleon keinen Frieden geschloffen hatten, Preußen zu Hilfe.

Bei Preußisch-Eylau hatte Napoleon zum ersten Male einen Mißerfolg, 1807an dessen Entscheidung auch preußische Truppen teilnahmen, die hierwieder ihres alten Ruhmes würdig fochten. Allmählich lebte der altePreußengeist wieder auf. In Westpreußen hielt sich die kleine FestungGraudenz, in Schlesien Kosel und Glatz. Vor allem herrlich und unge-beugt hielt sich Colberg, das Major Gneisenau, wacker unterstützt vonSchills Husaren und der Bürgerschaft (Nettelbeck), bis zum Waffen-stillstände heldenmütig verteidigte. Napoleon konnte es erst im Frühlingewieder wagen, gegen die zur 4. Koalition geeinten Russen und Preußenvorzugehen, siegte dann aber entscheidend über die Russen beiPreußisch-Friedland (14. Juni).

tz 199. Friede von Tilsit. Nun verloren die Russen die Lust,

für Preußen" weiter fortzukämpfen, und Alexander gab dieser Stim-mung nach. Er kam mit Napoleon persönlich zu Friedensverhand-lungen auf einem Floß im Njemen bei Tilsit zusammen. Darauf hatteauch Friedrich Wilhelm III. nebst seiner Gemahlin Luise mit demsiegreichen Imperator eine Unterredung. Unter Alexanders Vermittlungkam dann (9. Juli) der Friede vonTilsit zustande, durch den Preußen 1807alle seine Länder westlich von der Elbe verlor, ferner alles, was in derzweiten und dritten Teilung Polens im Osten gewonnen war, fast dieHälfte seines bisherigen Gebietes. Aus dem westwärts der Elbe Ab-getretenen und dem Kurfürstentum Hessen samt dem Herzogtum Braun-schweig schuf Napoleon darauf das neue Königreich Westfalen, das erseinem jüngsten Bruder Jeröme gab. Das zum Königtum erhobeneSachsen erhielt auch die von Preußen abgerissenen polnischen LandstrichealsHerzogtum Warschau". Westfalen und Sachsen wurden Gliederdes Rheinbundes. Dem Kaiser Alexander, mit dem Napoleon eine