235
Ländern aufgewachsen; daher wurden sie durch die Hitze ganzentkräftet, gerieten keuchend in einen heftigen Schweiß undmußten die Schilde vor das Gesicht halten. Der größte und streit-barste Teil der Feinde wurde auf dem Schlachtfelde selbst nieder-gemacht; denn, um nicht getrennt zu werden, hatte sich daserste Glied mit langen Ketten, die an den Gürteln befestigtwaren, zusammengebunden. Die Römer trieben die Fliehendenbis zu ihren Verschanzungen zurück, und hier eröffnete sichihnen ein erschütternder Anblick. Die Weiber standen in schwar-zer Kleidung auf den Wagen und töteten die Flüchtlinge ohneRücksicht, ob sie ihre Männer, ihre Väter oder ihre Brüderwaren. Mit eigenen Händen erdrosselten sie die kleinen Kinder,warfen sie unter die Räder und die Füße der Lasttiere undbrachten sich dann selbst um. Die Männer banden sich, in Er-mangelung von Bäumen, mit dem Halse ian die Hörner oder Beineder Ochsen, reizten dann diese mit Stacheln und wurden sovon den wütenden Tieren fortgeschleppt und zertreten. Obwohlviele auf diese Weise umkamen, wurden mehr als sechzigtausendMann gefangen; die Zahl der Toten aber soll zweimal so großgewesen sein.
29. Sullas Schreckensherrschaft, 82 v. Chr.
Pluta.rch, Sulla, 30 — 33. Nach Ivaltwasser-Gütliling und Eyth.
Als Sulla hörte, daß die Feinde*) größtenteils aufgeriebenseien, kam er selbst mit Anbruch des Tages nach Antemnä**)und versprach einem Haufen von dreitausend Mann, die ihnum Gnade bitten ließen, völlige Sicherheit, wenn sie den übrigenFeinden Schaden zufügten, ehe sie bei ihm erschienen. Im Ver-trauen auf diese Zusage fielen sie über die andern Truppenher, und so metzelten diese Unglücklichen einander selbst-nieder. Trotzdem ließ Sulla diese und andere, die sich.ihm ergeben hatten, zusammen gegen sechstausend Mann, in denZirkus einsperren und berief dann den Senat in den Tempel derBellona***). Während er hier anfing, eine Rede zu halten, muß-
*) Sulla und Crassus schlugen im Jahre 82 v. Chr. die Anhängerdes 8G gestorbenen Marius samt den aufständischen Samniten undLukanern an der Porta Collina bei Rom.
**) Nördlich von Rom.
***) Kriegsgöttin, ihr Tempel stand auf dem Marsfeld.