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32. Gallier und Germanen.
Cäsar, Denkwürdigkeiten vom Gallischen Krieg, VI, 11—24. Nach, Karl Blümel.
In Gallien linden sich nicht nur in allen einzelnen Kantonen,Gauen und Gemeinden, sondern beinahe auch in jedem HauseParteien. Führer dieser Parteien sind die, welche nach deröffentlichen Meinung das größte Ansehen besitzen. Ihrem Gut-dünken und Urteil fällt die höchste Entscheidung bei allen Ver-handlungen und Entschlüssen anheim. Diese Einrichtung ist, wiees scheint, in alter Zeit deshalb getroffen worden, damit der ge-meine Mann nicht der Hilfe gegen Mächtigere entbehre. Dennkein Häuptling duldet, daß sein Anhang unterdrückt oder beein-trächtigt werde, sonst ist es mit seinem Ansehen bei den Seinigenvorbei. Gerade so steht es mit den Verhältnissen Galliens imgroßen und ganzen.
In Gallien gibt es überhaupt nur zwei Klassen von Men-schen, die einigermaßen Geltung und Ansehen haben. Denn dasgemeine Volk wird den Sklaven gleich geachtet; es kann nichtsauf eigene Hand unternehmen und wird zu keiner Beratung bei-gezogen. Die meisten sind durch Schulden oder hohe Steuernoder die Unbill der Mächtigen so gedrückt, daß sie sich in dieHörigkeit der Adeligen begeben. Diese haben dann gegen solcheLeute ganz die gleichen Rechte wie die Herren gegen ihre Sklaven.Die erwähnten beiden Klassen aber sind die Druiden und dieRitter.
Die Druiden besorgen den Gottesdienst, die öffent-lichen und privaten Opfer und erklären die Satzungen der Religion.Viele Jünglinge, die sich ausbilden wollen, kommen daher beiihnen zusammen; bei den Galliern stehen sie in hohem Ansehen.Denn sie entscheiden fast über alle öffentlichen und privatenStreitigkeiten. Wurde ein Verbrechen oder eine Mordtat verübt,handelt es sich um einen Erbschafts- oder Grenzstreit, so sindsie ebenfalls Richter und bestimmen über Belohnung und Strafe.Will sich aber ein einzelner oder ein ganzer Volksstamm ihremSpruche nicht unterwerfen, so schließen sie ihn von den Opfernaus. Dies ist die härteste Strafe', die bei ihnen verhängt wird.Wer so in den Bann getan worden ist, gilt als Gottloser und Ver-brecher. Jedermann geht ihm aus dem Wege und vermeidetjedes Gespräch, um ja nicht durch die Ansteckung Schaden